Logo newsbot.ch

Regional

Eine Deponie blüht auf

2022-05-04 17:05:17
newsbot by content-proivder.ch GmbH
Quelle: Kanton Zug

Mit der Endgestaltung der ersten Etappe erfährt die Deponie Tännlimoos oberhalb von Sihlbrugg eine umfangreiche Renaturierung, wie der Kanton Zug meldet.

Entstanden seien einzigartige Trockenstandorte und in Kürze werden unzählige Wildblumen das Auge erfreuen.Die Deponie Tännlimoos oberhalb von Sihlbrugg sei seit 1959 eine Anlage für die regionale Entsorgungswirtschaft. Rund 50 000 bis 100 000 Tonnen Abfall werden dort pro Jahr abgelagert.

Abgesehen von den Lastwagentransporten dringt vom Betrieb der Deponie wenig nach aussen. Doch seit zwei Jahren fallen grössere Erdbewegungen ins Auge.

Grund dafür sei die Endgestaltung der ersten Etappe, die kurz vor dem Abschluss steht. Was das für die Natur bedeutet, zeigte der Augenschein von heute Nachmittag.Strenge SicherheitsanforderungenIm Gegensatz zu früheren Zeiten, als vielerorts sorglos mit dem Ablagern von Abfällen umgegangen wurde, gelten heute für Deponien strenge Sicherheitsanforderungen.

Über deren Einhaltung wacht das Amt für Umwelt in der Baudirektion. Deponien bringen einen Eingriff in die Landschaft, zumindest für die Dauer ihres Betriebs, der wie im Tännlimoos viele Jahrzehnte dauern kann.

Umso entscheidender sei darum die Rekultivierung der Deponien, die in Etappen erfolgt. «Mit der Endgestaltung der ersten Etappe werden Flächen, die zuvor für die Deponie benötigt wurden, der Natur mit einem Mehrwert zurückgegeben», erklärte Baudirektor Florian Weber beim heutigen Ortstermin.

Was dies konkret bedeutet, zeigte danach der Augenschein bei den neuen Schüttungen, wo im steilen Gelände einzigartige Trockenstandorte entstanden sind. Das rekultivierte Gelände in den flacheren Bereichen dient hingegen künftig wieder der produzierenden Landwirtschaft.Abfälle möglichst vermeidenIn der Abfallwirtschaft lautet das oberste Gebot, Abfälle möglichst zu vermeiden.

Unvermeidliche Abfälle wiederum seien zu verwerten, sei es durch Recycling oder zur Energieerzeugung. Und unverschmutzter Aushub von Baustellen darf zum Auffüllen ehemaliger Kiesgruben verwendet werden.

Lediglich das, was nach all diesen Schritten übrigbleibt, muss ohne Umweltgefährdung deponiert werden können. Ein solcher Deponiestandort sei das Tännlimoos.

Der Untergrund besteht hier weitgehend aus stabilem Molassefels oder Moränenmaterial und bildet eine natürliche Barriere mit geringer Wasserdurchlässigkeit. Entsprechend gibt es in der näheren Umgebung auch kein nutzbares Grundwasser, das gefährdet werden kann.

Nebst diesen optimalen Grundvoraussetzungen gewährleisten zudem umfangreiche bauliche, betriebliche und organisatorische Sicherheitsmassnahmen einen umweltgerechten Deponiebetrieb. Bernhard Brunner, zuständiger Projektleiter des Amts für Umwelt in der Baudirektion, illustriert dies an einigen Beispielen.

Sie reichen von baulichen Vorgaben wie Abdichtungen, Schutzschichten und Sickerwasserdrainagen über zahlreiche interne und externe Kontrollsysteme bis zur Überwachung von möglichen Umweltauswirkungen. «All das endet nicht mit dem Ende des Deponiebetriebs, sondern werde über viele Jahre in der sogenannten ‹Nachsorgephase› weitergeführt», betont Brunner.Unterschiedliche MethodenDie Ansaaten der Magerwiesen erfolgten in mehreren Etappen und auf unterschiedliche Weise.

Für einen Teil der Flächen lieferte Gregor Blattmann, Landwirt aus Hausen am Albis und künftiger Bewirtschafter, Schnittgut von artenreichen Wiesen seines Betriebs. Beim Grossteil der Flächen wurden spezielle Mischungen für trockene Magerwiesen und Ruderalflächen mit ausschliesslich Schweizer Ökotypen ausgesät.

Da die Böschungen steil und erosionsgefährdet sind, wurde teils auch auf Hydrosaat gesetzt. Dazu werde das Saatgut mit Strohhäcksel und Wasser vermischt und auf die Bodenoberflächen aufgespritzt.

In den kommenden Jahren werde zu beobachten sein, wie sich die verschiedenen Flächen entwickeln und es können Erfahrungen für andere Projekte gesammelt werden.Künftige Pflege muss funktionierenBei aller Euphorie galt es stets, auch die Bewirtschaftung im Auge zu behalten, denn die Wiesen müssen künftig regelmässig gemäht werden. Gregor Blattmann war daher bei der Planung immer dabei und stellte die Praxistauglichkeit der Massnahmen sicher.

Grössere Steine aus dem Schüttmaterial schichteten die Arbeiter zum Beispiel zu Kleinstrukturen auf. So kommen sie dem Mähbalken nicht in die Quere und dienen gleichzeitig Reptilien oder Insekten als Unterschlupf.

Auch die neuen Gehölze wurden vor allem dort gepflanzt. Ein oft unterschätztes Thema sei die Bekämpfung invasiver Neophyten in Deponien.

«Hier habe die Risi AG in den letzten Jahren einen grossen Effort geleistet», stellt Blattmann anerkennend fest. Sechsmal pro Jahr seien Zivildienstleistende im Einsatz, teils sogar in Klettermontur, um Pflanzen an den Grubenwänden auszureissen.

Dadurch konnten die Neophyten erfolgreich reduziert werden, was nicht nur den Landwirtschaftsflächen im Umfeld der Deponie, sondern nun auch den neuen Magerwiesen in der Deponie zu Gute kommt. Dennoch muss man wachsam bleiben und konsequent eingreifen, denn invasive Pflanzen seien – wie ihr Name besagt – enorm ausbreitungsstark.Noch seien die imposanten Böschungen erst lückig bewachsen.

Doch bald schon werden sie von unzähligen Wildblumen übersät sein. «Gibt es ein schöneres Beispiel, wie sich unterschiedliche Interessen zu einem rundum gelungenen Resultat vereinigen lassen?», fragt Baudirektor Florian Weber rhetorisch.

Mehr Biodiversität sei in aller Munde. Hier sei Dank der ausgezeichneten und langjährigen Zusammenarbeit des Kantons mit der Risi AG etwas Tolles für die Natur entstanden.

Dass dies auch von den Deponiebetreibern nicht einfach als Pflicht empfunden wird, macht Mario Engi von der Risi AG und Leiter der Deponie Tännlimoos deutlich. «Mit solchen Aktivitäten können wir aktiv dazu beitragen, seltene Pflanzen und Tiere zu fördern.

Darum sollen die neu entstandenen wertvollen Flächen auch als kantonale Naturschutzgebiete langfristig gesichert werden.» Und dies sei erst die erste Etappe. «Denn», sagt Florian Weber: «Die Deponie Tännlimoos werde für mindestens weitere 50 Jahre ein wichtiges Standbein der Zuger Abfallbewirtschaftung bleiben und weitere Renaturierungen erfahren.».

Suche nach Stichworten:

Sihlbrugg Deponie blüht



Newsticker


Kantonspolizei Freiburg

Lenker zum wiederholten Mal in Romont erwischt


Staatsanwaltschaft des Kantons Basel-Stadt

Raub


Kantonspolizei Thurgau

Busswil: Bei Frontalkollision verletzt


Kantonspolizei Graubünden

Lostallo: Auffahrunfall auf der Autobahn A13


Stadtpolizei Zürich

Tatverdächtige nach versuchter Tötung festgenommen