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Die Klimaskeptiker

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    Die Klimaskeptiker (Bild: Avenir Suisse)
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    Die Klimaskeptiker (Bild: Avenir Suisse)
2021-10-13 08:20:10
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Quelle: Avenir Suisse

Die meistgeäusserten Einwände der Klimaskeptiker halten einer genaueren Betrachtung nicht stand, wie Avenir Suisse mitteilt.

Doch ihre Diskreditierungsversuche gegenüber dem Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) schafften (trotz Widerlegung) in Teilen der öffentlichen Wahrnehmung den Eindruck, die Arbeit des Klimarates bewege sich eher auf der alarmistischen Seite. Dabei ist, wenn überhaupt, das Gegenteil der Fall.

Die meistgeäusserten Einwände der Klimaskeptiker halten einer genaueren Betrachtung nicht stand. Doch ihre Diskreditierungsversuche gegenüber dem Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) schafften (trotz Widerlegung) in Teilen der öffentlichen Wahrnehmung den Eindruck, die Arbeit des Klimarates bewege sich eher auf der alarmistischen Seite.

Dabei ist, wenn überhaupt, das Gegenteil der Fall. Ähnlich wie bei Corona fallen in der Klimadebatte vor allem die extremen Stimmen auf: Auf der einen Seite die «Klimapaniker» –  beispielsweise jüngst wieder: Extinction Rebellion – , gemäss denen wir am besten sofort alles stehen und liegen lassen sollen, um die Erde vor der Vernichtung durch den Menschen zu retten.

Auf der anderen Seite die «Klimaskeptiker», die den Ernst der Lage oder sogar den menschgemachten Klimawandel als Ganzes negieren. Wir widmen uns diese Woche Letzteren, um uns nächste Woche mit Ersteren zu beschäftigen. Die Klimaskeptiker seien überzeugt davon, dass die Menschheit keine (nennenswerten) Anstrengungen gegen den Klimawandel unternehmen sollte.

Interessanterweise hört man dafür sehr unterschiedliche Begründungen – die sich zwar nicht im eigentlichen Sinne widersprechen, bei denen man sich aber fragt, warum das eine Argument überhaupt ins Feld geführt wird, wenn doch schon das andere zutreffen soll. Grob kategorisiert:Eine gewisse Berechtigung haben eigentlich nur Argumente der dritten Kategorie: Kosten und Nutzen des Klimawandels.

In der Tat neigt der Mensch mit seinem Status-quo-Denken dazu, jegliche Änderung als unnatürlich und nachteilig zu werten und daher auf negative Aspekte des Klimawandels zu fokussieren. Eine pragmatische Analyse der Konsequenzen des Klimawandels sei wünschenswert: Nicht alle Länder werden gleichermassen darunter leiden, einige werden womöglich sogar davon profitieren.

Allerdings sei eben auch der Wandel per se mit Herausforderungen verbunden. Besonders betroffen seien die Küstengebiete.

Der Meeresspiegel der Ozeane würde bei Ausbleiben jeglicher Klimamassnahmen bis 2300 um 2 bis 5 Meter steigen und die Versetzung der Behausung von Milliarden Menschen erfordern.Tasiilaq Harbour in Ost-Grönland. (Filip Gielda, Unsplash)«Die sogenannten 97%.» 2013 publizierten Cook et al.

eine Metastudie, in der sie feststellten, dass 97% aller Klimawissenschafter der Theorie des menschgemachten Klimawandels zustimmen. Diese Zahl wurde von den Skeptikern gerne zerpflückt: «97% von wem? Warum nur publizierte Studien? Warum nur Klimawissenschafter? Die seien doch inhärent voreingenommen!» Das seien seltsame Einwände.

Will jemand den aktuellen Kenntnisstand zum Thema. Quantenfluktuationen erfahren, macht er dazu auch nicht eine Umfrage unter Geologen oder beim Bäcker von nebenan.

Der Konsens (unter Klimawissenschaftern) beträgt gemäss einer neueren Untersuchung übrigens sogar 99,94%. «Die CO2-Konzentration sei Folge des Temperaturanstiegs, nicht deren Ursache.» Das stimmt tatsächlich für frühere Klimazyklen: Diese wurden in erster Linie durch die Position der Erdachse und Erdumlaufbahn verursacht (sogenannte Milankovic-Zyklen). Auf einen Anstieg der Temperaturen folgte erst mit zeitlicher Verzögerung auch ein Anstieg der CO2-Konzentration[1] – der dann wiederum die Temperaturen erhöhte.

Dass CO2 als Treibhausgas wirkt, sei jedoch schon seit dem 19. Jahrhundert bekannt – und an der Erdbahn habe sich in den letzten Jahrzehnten nichts verändert. Der heutige, sehr rasche Temperaturanstieg sei definitiv die Folge, nicht die Ursache der erhöhten CO2-Konzentration. «Dieser kleine Rülpser des Ätna habe mehr CO2 in die Luft geblasen als die gesamte Menschheit während ihres Daseins.» Ein Foto eines Vulkanausbruchs mit dieser Bildunterschrift ging 2019 in den Sozialen Medien viral.

Das waren schlicht und einfach Fake News. Aktuell setzt die gesamte (weltweite) vulkanische Aktivität etwa 180 bis 440 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr frei.

Das seien weniger als 1% des anthropogenen CO2-Ausstosses von knapp 40 Milliarden Tonnen CO2 jährlich. «Die Erderwärmung sei Folge der Sonnenaktivität.» Eine weitere oft gehörte Behauptung. Umfassend dargelegt 2012 im Buch «Die kalte Sonne», und seither oft wiederholt – obwohl die von den Autoren gemachte Prognose, bis 2020 falle die globale Durchschnittstemperatur aufgrund sinkender Sonnenaktivität um 0,2°C gegenüber den Nuller-Jahren, von der Realität nicht stärker hätte widerlegt werden können.Oft äussern Klimaskeptiker den Verdacht, hinter dem Narrativ des menschgemachten Klimawandels stecke eine mächtige Cleantech-Lobby, die sich damit Staatsgelder und vorteilhafte Regulierungen sichern wolle.

Dass Lobbyisten gerne mal Gefälligkeitsstudien finanzieren und beim Staat um Subventionen buhlen, sei nicht unwahr. Allerdings sei es ziemlich realitätsfern anzunehmen, dass ausgerechnet die Cleantech-Industrie – die noch kein grosses Volumen hatte vor Ankunft des Klimawandels im gesellschaftlichen Bewusstsein – es schaffen soll, systematisch und flächendeckend wissenschaftliche Ergebnisse zu ihren Gunsten zu beeinflussen, während die bestens etablierte und massiv finanzstärkere Erdöllobby offenbar gänzlich darin versagt haben müsste.Diese Diskreditierungsversuche nahmen in der Vergangenheit auch schon kriminelle Züge an: 2009 verschafften sich Klimaskeptiker durch Hacking Zugang zum gesamten E-Mail-Verkehr der Klimaforschungseinheit der Universität East Anglia, die für eine der globalen Temperaturreihen verantwortlich zeichnet.

Sie durchforsteten hunderte Mails nach kompromittierenden Aussagen. Diese «fanden» sie auch in Sätzen wie «I’ve just completed Mike’s Nature trick of adding in the real temps to each series for the last 20 years (…) to hide the decline», die sie völlig aus dem Zusammenhang gerissen[2] diversen Medien zuspielten, um damit ein eigentliches «Climategate» zu inszenieren.

Das löste tatsächlich den Einsatz mehrerer offizieller Untersuchungskommissionen aus. Sie alle kamen jedoch zum Schluss, dass keinerlei wissenschaftliches Fehlverhalten der Forscher vorlag.Auch die Arbeit des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) selbst war immer wieder Ziel von Diskreditierungsversuchen.

Obwohl keiner davon explizit Erfolg hatte, blieb in Teilen der öffentlichen Wahrnehmung doch der Eindruck haften, die Arbeit des Klimarates bewege sich eher auf der alarmistischen Seite. Dabei ist, wenn überhaupt, das Gegenteil der Fall:Tatsächlich kam die Empirie in den vergangenen Jahren verschiedentlich zum Schluss, dass gewisse Veränderungen schneller als erwartet verliefen, beispielsweise die Erwärmung der Arktis und entsprechend das Abschmelzen des arktischen Meereises.

Im kürzlich erschienen ersten Beitrag zum nunmehr sechsten IPCC-Sachstandsbericht wurden denn auch einige Zahlen nach oben korrigiert.  Innerhalb der Wissenschaft werde zunehmend eine Abkehr von der bisherigen Zurückhaltung in der Kommunikation gefordert.Der Alarmismus kommt also nicht vom IPCC, sondern von Klimaaktivisten und vielen Medienschaffenden.

Diese zitieren – um aufzurütteln oder Klicks zu generieren –  gerne ohne jegliche Einordnung die Klimafolgen der schlimmsten (aber unwahrscheinlichen) CO2-Ausstossszenarien und suggerieren Gewissheit, wo die Wissenschaft Bandbreiten und Grade der Ungewissheit angibt. Ihnen widmen wir uns in einem Blog der nächsten Woche.Lukas Rühli arbeitet als Senior Fellow und Forschungsleiter Smart Government bei Avenir Suisse und befasst sich vorwiegend mit den politischen Institutionen der Schweiz (Föderalismus, Gemeindestrukturen, Finanzausgleich, direkte Demokratie), den Sozialwerken und mit Fragen der Datenvisualisierung.

Sein Studium der Volkswirtschaft mit Schwerpunkt Wirtschaft und Politik absolvierte er an der Universität Zürich. Von Februar bis Mai 2017 war er beim Cato Institute als Visiting Fellow tätig.

Die getrennte Besteuerung sei ein wichtiger Schritt zu mehr Chancengleichheit – Ausgestaltungsmöglichkeiten gibt es viele. Podiumsdiskussion mit Bundeskanzler Walter Thurnherr, Bea Knecht (Vorstand CH++), Judith Bellaiche (NR Grünliberale) und Basil Ammann.

Moderation: Sebastian Ramspeck, Einführung Peter Grünenfelder Seit 2001 haben wir über 2000 Analysen, Publikationen, Podcasts und Videos veröffentlicht. Sie finden sie alle in unserer Bibliothek.

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