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Diem Reserve – die Banken-Komponente

  • Diem Reserve – die Banken-Komponente
    Diem Reserve – die Banken-Komponente (Bild: Avenir Suisse)
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    Diem Reserve – die Banken-Komponente (Bild: Avenir Suisse)
2021-08-02 08:20:12
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Quelle: Avenir Suisse

Das fulminant von Facebook & Co, wie Avenir Suisse meldet.

lancierte Währungsprojekt Libra wurde zurechtgestutzt und heisst nun Diem – unterschätzt werden sollte es deswegen aber keineswegs. Ein Update zur Avenir-Suisse-Analyse von 2019 in einer Blogserie mit sechs Beiträgen.

Das fulminant von Facebook & Co. lancierte Währungsprojekt Libra wurde zurechtgestutzt und heisst nun Diem – unterschätzt werden sollte es deswegen aber keineswegs.

Ein Update zur Avenir-Suisse-Analyse von 2019 in einer Blogserie mit sechs Beiträgen. Libra sollte ursprünglich mit verschiedenen internationalen Währungen gedeckt sein.

Das hätte sicherstellen sollen, dass der Wert eines Libras nur gering schwankt. Es hätte sich also um einen Stablecoin mit einem internationalen Währungskorb als Sicherheit gehandelt, den Libra Coin mit dem Kürzel ≋LBR.

Es war dieser Währungskorb, den die Regierungen rund um die Welt aufgeschreckt hat. Durch die Einführung einer neuen Währungseinheit hätte nämlich die Position der jeweiligen nationalen Währungen geschwächt werden können vergleiche Müller und Lago (2019).In der neusten Ankündigung von Diem sei von diesem Währungskorb nicht mehr viel geblieben.

Im Whitepaper 2.0 werde zwar noch immer von einem Multi-Currency-Stablecoin (neu ≋XDX) gesprochen, der über einen Smart Contract algorithmisch mit den nationalen Diem Coins repliziert werden sollte (siehe Box). Aber in der Praxis dürfte dieser auf absehbare Zeit keine Rolle spielen.

Nach der neusten Ankündigung sei klar: Das Projekt Diem werde in den USA mit einem US-Dollar Stablecoin (≋USD) starten – auf Euro oder Britische Pfund abgestützte Stablecoins werden bis auf weiteres ebenfalls nicht weiterverfolgt (CNBC 2021; Diem Association 2021).Im Prinzip sei ein Smart Contract einfach ein Computerprogramm. Die Vertragsbestandteile werden dabei so in einer Programmiersprache ausformuliert, dass der Inhalt des Vertrags zumindest teilweise automatisch abgewickelt werden kann.

Mit dem Aufkommen der Blockchain-Technologie haben Smart Contracts eine Renaissance erlebt. Auf den neuen Netzwerken können damit digitale Vermögenswerte vertraglich vordefiniert automatisch alloziert und transformiert werden.

In der jüngeren Vergangenheit sei es allerdings auch immer wieder zu Programmierfehler gekommen, bei denen Vermögenswerte vernichtet oder an unberechtigte Parteien transferiert wurden.Das wirkt sich auf die Gestaltung der Diem Reserve aus. Egal ob damals für Libra oder neu für Diem, die Reserve sei das Kernstück des Währungsprojekt.

In Abbildung 4 werden die verschiedenen Reserves anhand ihrer Bilanz illustriert.Das Ziel der Reserve ist, den Wert des herausgegebenen Stablecoins zu stabilisieren. Mit der Diem Reserve solle also der Wert des ≋USD möglichst stabil an der Referenzwährung, den US-Dollar, gehalten werden.

Dafür solle jeder Diem Dollar in Zirkulation mit Bargeld und Bargeld-Äquivalenten in der Reserve gedeckt werden. Mindestens 80% der Reserve solle aus kurzfristigen US-Staatsanleihen bestehen, die weniger als 3 Monate Restlaufzeit haben.

Die restlichen 20% der Reserve werden in US-Geldmarktfonds investiert, die ebenfalls in kurzfristige (bis zu einem Jahr Restlaufzeit) US-Staatsanleihen investieren (Libra Association 2020a).Seit dem zweiten White Paper wurden allerdings die Informationen zur genauen Ausgestaltung der Reserve kaum mehr aktualisiert. Es wurde lediglich mit dem Umzug in die USA verkündet, dass die kalifornische Silvergate Bank die Reserve verwalten werde (Diem Association 2021).[1] Inwiefern die aktuellen Pläne für die Reserve den Plänen aus dem White Paper entsprechen, bleibt unklar.Der Betrieb der Reserve könnte auch wieder komplett eingestellt werden, wie Catalini kürzlich in einem Interview durchblicken liess (CNBC 2021).

Diem habe sogar erklärt, die eigenen Stablecoins durch digitales Zentralbankgeld (Central bank digital currency, CBDC) zu ersetzen, sobald dieses zur Verfügung stehen werde (Coindesk 2021). Je nach Ausgestaltung der CBDC (siehe Box) bräuchte es jedoch weiterhin eine Art Reserve, entweder in der klassischen Form einer Bilanz oder in der algorithmischen Form eines Smart Contract.

Diem Coins würden dann wohl eins zu eins mit digitalem Zentralbankgeld gedeckt werden – die Reserve würde einer Narrow Bank entsprechen.CBDC steht für central bank digital currency. Die Abkürzung bezeichnet also eine digitale Form von Zentralbankgeld, das sich von anderen Formen von Zentralbankgeld wie Bargeld und elektronischen Bankreserven unterscheidet.

CBDCs verwenden einen elektronischen Datensatz oder einen digitalen Token, um virtuell Geld zu repräsentieren und stellen eine direkte Verbindlichkeit gegenüber der Zentralbank dar. (Ghose et al. 2021; PwC 2021)Es könne zwischen zwei verschiedenen CBDC-Typen unterschieden werden.

Sogenannte Retail CBDC können direkt von Privatkunden und Unternehmen gehalten und verwendet werden – in diesem Fall handelt es sich somit um eine Art digitales Bargeld oder Zahlungsverkehrskonto bei der Zentralbank. Die Wholesale CBDC hingegen können ausschliesslich von Finanzinstituten gehalten werden und für Interbankenzahlungen und Abwicklungsprozesse verwendet werden – der Unterschied zu den heutigen Konten der Geschäftsbanken bei der Zentralbank liegt hier nur in der verwendeten Technologie.Die Ankündigung Libras im Juni 2019 gilt als Katalysator für CBDC-Projekte rund um den Globus.

Trotz früherer Skepsis beschäftigen sich derzeit über 80% aller Zentralbanken mit CBDC. In einer Pilot- oder Entwicklungsphase befinden sich jedoch solche Projekte nur bei 14% aller Zentralbanken (Ghose et al.

2021) – unter diesen Pionieren befindet sich auch die Schweizerische Nationalbank (BIS 2020; SNB 2020).[2]Bevor CBDC aber das Licht der Welt erblicken, werde die Aktivseite der Bilanz der Diem Reserve wie erwähnt hauptsächlich aus US Treasuries bestehen.[3] Zudem werden auf der Passivseite nicht nur die herausgegebenen Diem Coins stehen.[4] Stattdessen solle die Diem Reserve ein positives Eigenkapital vorweisen. Der Eigenkapitalpuffer solle dabei vor unvorhergesehenen Verlusten infolge Kredit- und Marktrisiken schützen.[5]Mit dieser Bilanzstruktur sei eines klar: die Diem Reserve werde als klassische Bank starten.

Natürlich betreiben heutige Banken eine viel stärkere Fristentransformation. Ihren kurzfristigen Sichteinlagen stehen im Gegensatz zur Diem Reserve nicht kurzlaufende Staatsanleihen, sondern gerade in der Schweiz vor allem langlaufende Hypothekarkredite gegenüber (NZZ 2017).

Dessen ungeachtet findet auch bei Diem mit den dreimonatigen US Treasuries eine gewisse Fristentransformation statt. Damit erinnert Diem an die historischen Vorläufer der heutigen Banken.

So zeigt die Diem Reserve grosse Ähnlichkeiten mit US-Banken vor der Einführung des Federal Reserve Systems.[6]Was wie eine Bank aussieht, habe natürlich auch Risiken wie eine Bank. Beispielsweise könnte es zu einem klassischen Bank Run kommen, wenn viele Leute auf einmal ihre Diem Coins in US-Dollar wechseln wollten.

In diesem Fall müsste die Diem Reserve rasch Vermögenswerte liquidieren, um die Nachfrage nach US-Dollar bedienen zu können. Wenn dabei die Preise der Vermögenswerte sehr stark unter Druck kämen, könnte das die Diem Reserve in Schieflage bringen.Deshalb habe Diem bereits angekündigt, Massnahmen zur Risikominimierung zu treffen – und auch da liessen sich die Verantwortlichen von der Geschichte inspirieren.

So will Diem einem Bank Run auf die Reserve mit zwei Schlüsselstrategien verlangsamen. Zum einen sollen Rücknahmestopps die Liquidierung der Diem Coins verzögern und der Diem Reserve Zeit für die Liquidierung ihrer Finanzanlagen geben.

Zum anderen sollen Rücknahmegebühren im Krisenfall Kunden davon abhalten, ihre Diem Coins in US-Dollars zu wechseln.[7]Was derzeit noch fehlt, sei eine explizite Lender-of-Last-Resort Garantie des Fed oder eine Versicherung der Diem Coins (analog zur Sichteinlagenversicherung bei Banken). Sollte Diem dereinst eine gewisse Grösse erreichen, wäre aber ein Nicht-Eingreifen der Zentralbank im Krisenfall eine grosse Überraschung.[8]Um Vertrauen in die Werthaltigkeit des Diem Coins zu schaffen, solle die Zusammensetzung der dahinterliegenden Reserve täglich veröffentlicht und regelmässig durch unabhängige Externe überprüft werden (Libra Association 2020a; OMFIF 2021).

Vieles sei hier noch unklar, so beispielsweise die genauen Prüfintervalle. Dessen ungeachtet dürfte Diem hier wohl mit der Transparenz und der (eventuell) verteilten Governance zwischen mehreren Firmen und Nichtregierungsorganisationen punkten – gerade im Vergleich zu Tether, einem der bekanntesten Stablecoin-Projekten (vgl.

Box).Knapp 60 Milliarden $ seien in Form des US-Dollar Stablecoins Tether im Umlauf. Damit sei Tether der nach Marktkapitalisierung bedeutendste Stablecoin.

Ähnlich zum Diem Dollar versprach Tether ursprünglich, jeden Coin 1:1 mit US-Dollar zu hinterlegen – ein Versprechen, das von verschiedenen Seiten immer wieder angezweifelt wurde. (FT 2021; The New Republic 2021)Aufgrund regulatorischen Drucks sah sich Tether im Mai 2021 zum ersten Mal gezwungen, detaillierte Angaben zur Zusammensetzung ihrer Reserve öffentlich zu machen. Das publizierte Datenmaterial sei dürftig und nicht extern geprüft, zeigt allerdings, dass Tether weit von einer 1:1 Deckung entfernt ist.

Die Zahlen zeigen nämlich, dass lediglich 3% von Tether mit Bargeld, 2% mit Treasuries und 18% mit Treuhandeinlagen hinterlegt sind, wobei auf die Konditionen der Treuhandeinlagen nicht näher eingegangen werde (vgl. Abbildung 5).Zudem fällt auf, dass die Hälfte von Tether mit nicht weiter spezifizierten «Commercial Papers» hinterlegt ist.

Auf diese werde im Report nicht genauer eingegangen, gewisse Marktbeobachter vermuten aber, dass es sich dabei um Kredite an Unternehmen handelt, die Tether nahestehen (Gerard 2021). Schliesslich könne auf der Grundlage der verfügbaren Daten die Eigenkapitalquote von Tether berechnet werden.

Diese fällt mit 0,26 % enorm niedrig aus und liegt weit unter den ungewichteten Eigenkapitalquoten (leverage ratio) globaler Grossbanken – Tether sei damit nur kleinste Bewertungsschwankungen von der Insolvenz entfernt. Serie Was aus dem als Libra lancierten Währungsprojekt von Facebook & Co.

geworden sei – eine Blogserie in sechs Teilen (1/6) Doktor Jürg Müller sei Senior Fellow und Forschungsleiter «Infrastruktur & Märkte». Er beschäftigt sich mit Fragen zur Wettbewerbspolitik, des Service Public sowie der optimalen Regulierung – mit einem Schwerpunkt auf dem Finanz-, Telekom- und Mediensektor.

Nach dem Studium der Volkswirtschaftslehre an den Universitäten Sankt Gallen und Cambridge doktorierte er an der ETH Zürich. Im Anschluss war er gut vier Jahre als Wirtschaftsredaktor bei der Neuen Zürcher Zeitung tätig.

Er habe mehrere Fachbeiträge zu den Auswirkungen der digitalen Revolution auf das Finanzsystem verfasst und sei Koautor des Buchs «The End of Banking», das in mehrere Sprachen übersetzt wurde. Serie Was aus dem als Libra lancierten Währungsprojekt von Facebook & Co.

geworden sei – eine Blogserie in sechs Teilen (1/6) Medienkonferenz 20. Mai 2021, 10 Uhr. Mit Patrick Dümmler, Lukas Rühli, Peter Grünenfelder.

Begrüssung Verena Parzer-Epp. Seit 2001 haben wir über 2000 Analysen, Publikationen, Podcasts und Videos veröffentlicht.

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