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Netto-null: die grosse Unbekannte

Netto-null: die grosse Unbekannte
Netto-null: die grosse Unbekannte (Bild: Avenir Suisse)

2021-05-12 07:20:10
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Quelle: Avenir Suisse

Um die Klimaerwärmung (gegenüber vorindustrieller Zeit) auf 1,5°C zu begrenzen, ist es nötig, die Treibhausgasemissionen weltweit spätestens bis 2050 auf «netto-null» zu reduzieren, wie Avenir Suisse ausführt.

Immer mehr Länder, darunter auch die Schweiz und die EU, haben sich diesem Ziel verschrieben. Doch was bedeutet «netto-null» überhaupt? Um die Klimaerwärmung (gegenüber vorindustrieller Zeit) auf 1,5°C zu begrenzen, sei es nötig, die Treibhausgasemissionen weltweit spätestens bis 2050 auf «netto-null» zu reduzieren.

Immer mehr Länder, darunter auch die Schweiz und die EU, haben sich diesem Ziel verschrieben. Doch was bedeutet «netto-null» überhaupt? Um die Klimaerwärmung (gegenüber vorindustrieller Zeit) auf 1,5°C zu begrenzen, sei es nötig, die Treibhausgasemissionen weltweit spätestens bis 2050 auf «netto-null» zu reduzieren.

Immer mehr Länder, darunter auch die Schweiz und die EU, haben sich diesem Ziel verschrieben.An sich liegt es auf der Hand, und doch scheint das Konzept zuweilen zu Missverständnissen zu führen. Netto-null bedeutet kurz gesagt Klimaneutralität.

Diese sei erreicht, wenn die Menschheit im untersuchten Zeitraum durch technische Massnahmen oder Landnutzungsmassnahmen der Atmosphäre die gleiche Menge an Treibhausgasen (THG) entzieht, wie sie durch ihre sonstigen Aktivitäten in die Atmosphäre emittiert.Die Erde habe einen Kohlenstoffkreislauf. Dieser beschreibt die Umwandlung kohlenstoffhaltiger Verbindungen in den Systemen Lithosphäre (Erdkruste), Hydrosphäre (Ozeane, Seen, Flüsse, Eis), Atmosphäre und Biosphäre (Atmung der Tiere, Photosynthese der Pflanzen, Verwesung).

Menschliche Einflussnahme in diesen Kreislauf könne dazu führen, dass sich der Anteil des Kohlenstoffs – als CO2 oder andere THG gebunden – in der Atmosphäre erhöht. Der offensichtlichste Weg zur atmosphärischen CO2-Anreicherung  ist, wenn man den Kohlenstoff (C) aus der Erdkruste, wo er seit Jahrmillionen eingelagert war, an die Oberfläche holt und ihn verbrennt (Reaktion mit O2).

Genau das sei das Prinzip aller fossilen Brennstoffe. Ein paar Beispiele sollen verdeutlichen, was als anthropogener THG-Ausstoss gilt – also: was in die Netto-null-Rechnung einfliesst – und was nicht.Um netto-null zu erreichen, müsste also der gesamte menschliche THG-Ausstoss durch Gegenmassnahmen kompensiert werden.

Die Abbildung zeigt beispielhaft, wie der Weg dorthin aussehen könnte, wie sich also die Netto-THG-Emissionen auf diesem Weg in etwa zusammensetzen müssten:Der THG-Ausstoss zur Energieerzeugung in den Bereichen Gebäude, Transport und Industrie (türkise Flächen) müsste ebenfalls stark sinken und dürfte in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts höchstens noch 20% des heutigen Werts betragen. Einen wesentlichen Anteil zu dieser Reduktion müssten CO2-Abscheidungs-und-Speicherungs-Technologien, auf Englisch «Carbon Capture and Storage, CCS» beitragen.

Damit seien direkt an den Kraftwerken stattfindende Verfahren zur technischen Abscheidung von CO2-Emissionen und ihrer dauerhaften Einlagerung in unterirdische «Endlager» gemeint (orange Fläche). Sie verhindern also, das CO2 überhaupt in die Atmosphäre gelangt.Um netto-null zu erreichen (bzw.

um in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts sogar in den Bereich negativer Nettoemissionen zu kommen), seien aber neben der weitgehenden Vermeidung künftiger THG-Emissionen auch Massnahmen zum Entzug von THG aus der Atmosphäre nötig.Die Low-Tech-Variante dafür sei das Anpflanzen neuer Wälder. Diese lagern im Verlauf ihres Wachstums Kohlenstoff aus der Atmosphäre als Biomasse ein.

An Ort und Stelle – und zwar nur an einer, die davor waldlos war – könne diese Senkung allerdings nur einmal erzielt werden – und sie sei nur dann nachhaltig, wenn nicht eine nachfolgende Generation das Waldstück wieder rodet. Der derzeit noch positive Netto-THG-Ausstoss aus der Landwirtschaft und Landnutzungsveränderungen (Agriculture, Forestry and Land Use, Afolu) müsste in den nächsten Jahrzehnten also allem voran mithilfe umfassender Wiederaufforstungsprogramme in den negativen Bereich gedrückt werden.Die High-Tech-Variante dafür seien Technologien zur Rückholung von CO2 aus der Atmosphäre (Technological Carbon Dioxide Removal, CDR) mit anschliessend permanenter Einlagerung des Kohlenstoffs in der Erdkruste.

Die Forschung dazu sei in vollem Gange. Einige Verfahren existieren sogar schon, seien aber bisher noch zu teuer und zu wenig skalierbar.

Mittelfristig könnten sich aber einige Ansätze als erfolgsversprechend erweisen. Die Chancen stehen also gar nicht so schlecht, dass bald Methoden zur Marktreife gelangen, die es erlauben, den Film über den Prozess der Förderung und Verbrennung fossiler Energieträger, der nun schon eine beeindruckende Länge von 150 Jahren aufweist, rückwärts abzuspielen.Lukas Rühli arbeitet als Senior Fellow und Forschungsleiter Smart Government bei Avenir Suisse und befasst sich vorwiegend mit den politischen Institutionen der Schweiz (Föderalismus, Gemeindestrukturen, Finanzausgleich, direkte Demokratie), den Sozialwerken und mit Fragen der Datenvisualisierung.

Sein Studium der Volkswirtschaft mit Schwerpunkt Wirtschaft und Politik absolvierte er an der Universität Zürich. Von Februar bis Mai 2017 war er beim Cato Institute als Visiting Fellow tätig.

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