Logo newsbot.ch

Wirtschaft

Glasfaser aufs Maiensäss

Glasfaser aufs Maiensäss
Glasfaser aufs Maiensäss (Bild: Avenir Suisse)

2021-04-19 09:20:14
newsbot by content-proivder.ch GmbH
Quelle:

Derzeit debattiert das Parlament eine Verachtfachung der Internet-Grundversorgung von 10 auf 80 Mbit/s, wie Avenir Suisse schildert.

Eine Erhöhung der Bandbreiten bedingt allerdings Investitionen in die Infrastruktur. Unbedachte Anpassungen der Grundversorgung und Eingriffe in den Telekommarkt bergen die Gefahr, das Schweizer «Telekom-Ökosystem» aus dem Lot zu bringen.

Derzeit debattiert das Parlament eine Verachtfachung der Internet-Grundversorgung von 10 auf 80 Mbit/s. Eine Erhöhung der Bandbreiten bedingt allerdings Investitionen in die Infrastruktur.

Unbedachte Anpassungen der Grundversorgung und Eingriffe in den Telekommarkt bergen die Gefahr, das Schweizer «Telekom-Ökosystem» aus dem Lot zu bringen. Eine Verachtfachung der Leistung mit einem Federstrich, das sei nicht ohne.

Statt in einer Stunde die Strecke Zürich-Bern zu bewältigen, dürften die SBB nur noch gut 12 Minuten dafür haben. Und die Post müsste einen A-Post-Brief nicht am nächsten Tag, sondern innert weniger Stunden an jeden Ort der Schweiz zustellen.

Genau das will die Politik neu im Telekombereich vorschreiben. So werde derzeit in Bundesbern über eine Verachtfachung der Internet-Grundversorgung von 10 auf 80 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) debattiert.Natürlich seien diese Vergleiche nicht ganz ernstgemeint, geht es bei der Datenübermittlung im Gegensatz zum physischen Transport doch um eine sich schnell entwickelnde Technologie.

Was heute top ist, sei in fünf Jahren nur noch Mittelmass. Doch die Grundversorgung wurde erst gerade letztes Jahr angepasst.

Die pro Anschluss garantierten 10 Mbit/s seien denn auch nicht ohne – im Gegenteil. Die Schweiz steht mit dieser Grundversorgung an der europäischen Spitze.Dieser Befund mag manchen überraschen, denn in vielen Städten seien weit schnellere Internetangebote auf dem Markt.

Worum handelt es sich denn eigentlich bei dieser Grundversorgung?Bei der Definition der Grundversorgung muss somit besonders der Begriff «gute Qualität» konkretisiert werden. Dafür braucht es eine Übersicht, für welche Internetdienste welche Bandbreiten notwendig sind.

Die folgende Abbildung bietet genau das.Derzeit erlaubt die Grundversorgung das Surfen im Internet, Homeoffice-Anwendungen und sogar das Streaming von Videos in HD-Qualität. Zu beachten sei allerdings, dass der Breitbandbedarf bei einer gleichzeitigen Nutzung steigt.

Um diesen zu ermitteln, könne jedoch nicht einfach der maximale Bedarf mit der Anzahl Personen im Haushalt multipliziert werden, da die Nutzung nicht immer gleichzeitig ist. Grundsätzlich sollte damit die Grundversorgung nicht nur Einpersonenhaushalten eine Teilnahme am sozialen und wirtschaftlichen Leben ermöglichen.Zu breit darf die Grundversorgung nicht definiert werden.

Wie das Bundesamt für Kommunikation festgehalten hat, «… zielt die Grundversorgung nicht darauf ab, eine umfassende Bereitstellung der attraktivsten Dienste auf dem Markt sicherzustellen, sondern darauf, eine Reihe von Basisdiensten anzubieten, um eine Ausgrenzung zu verhindern». Das staatlich garantierte Angebot könne nicht nach Belieben ausgebaut werden.

Das liegt daran, dass die Politik sich immer für ein Grundversorgungsbündel aus Bandbreite und Preis entscheiden muss – heute seien das mindestens 10 Mbit/s zu maximal 45 Fr. pro Monat.Der staatlich festgelegte Preis sei der Grund dafür, weshalb die Grundversorgung, wie ihr Name schon impliziert, sich auf ein nationales Minimum beschränken sollte.

Wird dieser Grundsatz nicht eingehalten, werde über das Instrument der Grundversorgung der Markt in den Städten und Agglomerationen verzerrt, in denen der Wettbewerb spielt; als Folge könnte sich dann dort das Angebot über die Zeit verschlechtern.Ein radikales Gedankenexperiment zeigt das Problem auf: Würde die Grundversorgung beispielsweise auf 1 Gbit/s (=1000 Mbit/s) zu 45 Franken pro Monat hochgeschraubt, könnten zwar auf der Alp und im Rustico mit VR-Brillen anspruchsvolle Multiplayer-Spiele zu geringen Kosten gespielt werden. Aber mit der hoheitlichen Festlegung eines solchen Qualitäts-/Preis-Bündels würde der Markt im ganzen Land massiv verzerrt werden.

Im Extremfall besteht gar die Gefahr, dass das staatliche Grundversorgungspaket plötzlich schweizweit zum attraktivsten und damit zum einzigen Internetangebot werde – der Wettbewerb also komplett zum Erliegen kommt.Ob der Telekommarkt sich dynamisch zeigt, hängt massgeblich von der Bevölkerungsdichte ab. Je mehr Kunden mit einem Quadratkilometer Netz bedient werden können, auf desto mehr Schultern können die Erstellungs- und Unterhaltskosten des Netzes verteilt werden: Die Anschlusskosten pro Haushalt bestimmen, ob ein Infrastrukturbau lohnend sei oder nicht.

Damit sei in der Stadt Erstellung und Betrieb eines Netzes tendenziell lukrativer als auf dem Land.Das heisst nicht, dass sich in der Stadt automatisch ein funktionierender Wettbewerb einstellt. Die hohen Investitionskosten beim Aufbau eines Datennetzes stellen hohe Markteintrittsbarrieren dar.

Damit könne sich je nach dem ein natürliches Monopol einstellen, das durch volkswirtschaftliche Ineffizienzen geprägt ist. In vielen Gebieten der Schweiz sei es trotzdem nicht zu einem solchen Monopol gekommen, was vor allem einem historischen Glücksfall zu verdanken sei (vgl.

Box).Der Bund habe ab den 1880er Jahren die Erstellung eines nationalen Telefonnetzes vorangetrieben. Ab den 1930er Jahren begannen zusätzlich lokale Organisationen mit dem Bau von Kabelnetzen – zuerst für die Übertragung von Radio-, später auch von TV-Signalen.

Damit erhielt die Schweiz gleich zwei Festnetze. Heute haben deshalb rund 80% der Schweizer Haushalte mindestens zwei Anschlüsse im Haus: Einen Telefon- und einen Kabelanschluss.

Das erstere Netz werde von Swisscom betrieben, das letztere von UPC-Sunrise und verschiedenen kleineren Kabelnetzbetreibern.In gewissen Städten wurde vor rund zehn Jahren zudem auf ein Kooperationsmodel beim Glasfaser-Ausbau gesetzt: Diverse Haushalte erhielten danach gleich mehrere Fasern bis in die Wohnung. Das zugrundeliegende Finanzierungsmodell weist aus ordnungspolitischer und volkswirtschaftlicher Sicht problematische Aspekte auf.

Mit dem Mehrfasermodell wurde indessen die historische Eigenheit eines Infrastruktur-Duopols in gewissen Städten in die neue Glasfaserzeit übertragen.Schliesslich habe der technische Fortschritt dazu geführt, dass der Mobilfunk leistungsfähiger wurde – auf dem neusten Technologiestandard 5G sollen Datenübertragungsraten von bis zu 3 Gbits/s möglich sein. Die Schweizer Telekomfirma Sunrise habe denn auch vor gut zwei Jahren ihre 5G-Angebote als Konkurrenz für langsame Festnetzangebote lanciert.

Damit gibt es in vielen Gebieten der Schweiz einen Wettbewerb, sowohl was die Infrastruktur selbst als auch was das Angebot von Internetangeboten auf dieser Infrastruktur betrifft.Auch wenn eine Bandbreite von 10 Mbits/s derzeit eine Teilnahme am sozialen und wirtschaftlichen Leben ermöglicht, sei schon heute klar, dass das in ein paar Jahren nicht mehr der Fall sein wird. Die Technologie entwickelt sich im digitalen Bereich rasant, und die Nachfrage nach Bandbreite steigt konstant.

Damit werde auch künftig der Grundversorgungsauftrag angepasst werden müssen.Eine Erhöhung der Bandbreiten bedingt allerdings Investitionen in die Infrastruktur. Das kostet.

Wie erwähnt, könne der Markt diese Kosten in weniger dicht besiedelten Regionen nicht allozieren – deshalb werde ja überhaupt eine staatliche Grundversorgung gefordert. Gleichzeitig gibt es durchaus Gebiete, in denen diese Investitionen aus einer kommerziellen Überlegung getätigt werden.

Diesen Wettbewerb gilt es zu bewahren, denn er sei mit ein Grund dafür, dass die Schweiz im Datenverkehr die fünfthöchste Durchschnittsgeschwindigkeit weltweit aufweist.Unbedachte Anpassungen der Grundversorgung und Eingriffe in den Telekommarkt bergen die Gefahr, das Schweizer «Telekom-Ökosystem» aus dem Lot zu bringen. Im zweiten Teil dieser Blogserie werde daher aufgezeigt, wie die staatlichen Rahmenbedingungen für den Ausbau der Breitbandinfrastruktur idealerweise gestaltet werden.Dr.

Jürg Müller sei Senior Fellow und Forschungsleiter «Infrastruktur & Märkte». Er beschäftigt sich mit Fragen zur Wettbewerbspolitik, des Service Public sowie der optimalen Regulierung – mit einem Schwerpunkt auf dem Finanz-, Telekom- und Mediensektor.

Nach dem Studium der Volkswirtschaftslehre an den Universitäten Sankt Gallen und Cambridge doktorierte er an der ETH Zürich. Im Anschluss war er gut vier Jahre als Wirtschaftsredaktor bei der Neuen Zürcher Zeitung tätig.

Er habe mehrere Fachbeiträge zu den Auswirkungen der digitalen Revolution auf das Finanzsystem verfasst und sei Koautor des Buchs «The End of Banking», das in mehrere Sprachen übersetzt wurde.Laurenz Grabher sei seit März 2021 bei Avenir Suisse als Researcher tätig. Zuvor sammelte er Arbeitserfahrung und andere im Europäischen und Österreichischen Parlament, am Institut für Nationalökonomie an der Universität Sankt Gallen, sowie im Bereich Consulting.

Laurenz habe einen Masterabschluss in Volkswirtschaftslehre von der Universität Sankt Gallen und einen Masterabschluss in Finance & Investments von der Rotterdam School of Management. Podiumsdiskussion mit Nationalrätin Flavia Wasserfallen (SP), Ständerat Benedikt Würth (Die Mitte) und Lukas Schmid (Avenir Suisse) unter der Moderation von Sebastian Ramspeck.

Seit 2001 haben wir über 2000 Analysen, Publikationen, Podcasts und Videos veröffentlicht. Sie finden sie alle in unserer Bibliothek.

.

Suche nach Stichworten:

alle Glasfaser Maiensäss



Newsticker


Grosse Rat des Kantons Bern

Sessionsstand: STA #8 Gesetz über die Finanzkontrolle


Staatssekretariat für Wirtschaft

Bundespräsident Parmelin empfängt den Präsidenten von Kasachstan


Europäische Datenschutzbeauftragte

Newsletter 90


Fürstentum Liechtenstein

Arbeitsbesuch der österreichischen Bundesministerin Karoline Edtstadler in Liechtenstein


Kantonspolizei Thurgau

In Unterführung stecken geblieben (mit Bild)