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Wissenschaft

Beckenbodenprobleme seltener nach Kaiserschnitt

2022-11-23 18:25:06
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Quelle: Science Media Center Deutschland

Ein zweiter Kaiserschnitt verringert das Risiko für Beckenbodenoperationen in den Folgejahren, wie das Science Media Center Deutschland meldet.

Zu diesem Ergebnis kommt eine britische Studie von Forschenden aus Oxford, die Daten von 47.414 Frauen auswertet haben, die ihr erstes Kind per Kaiserschnitt entbunden hatten (siehe Primärquelle). 15.742 Frauen erhielten auch bei der Geburt des zweiten Kindes einen Kaiserschnitt, wohingegen 31.672 Frauen vaginal entbanden.

Nach einem durchschnittlichen Beobachtungszeitraum von 22,1 Jahren mussten sich 1159 der insgesamt 47.414 Frauen einer Beckenbodenoperation unterziehen. Eine vaginale Entbindung war im Vergleich zu einem erneuten Kaiserschnitt mit einem mehr als zweifach erhöhten Risiko für eine Beckenbodenoperation verbunden, wenngleich die Inzidenz für eine solche Operation in beiden Gruppen sehr gering war.Die Forschenden schlussfolgern, dass ihre Ergebnisse nützliche zusätzliche Informationen für die Geburtsberatung insbesondere beim zweiten Kind liefern können.

Allerdings thematisieren die Autoren in ihrer Diskussion nicht die Risiken, die im Vergleich zur vaginalen Geburt generell mit einem Kaiserschnitt einhergehen. Dazu gehören ein stärkerer Blutverlust, ein erhöhtes Risiko für Venenthrombosen, Lungenembolien und das postthrombotische Syndrom.

Auch sei das Risiko für Wundinfektionen und Tod höher als bei vaginalen Geburten. Darüber hinaus entstehen durch einen Kaiserschnitt Risiken für nachfolgende Schwangerschaften wie eine Fehllage der Plazenta, Fehl- oder Totgeburt [I] [II].„Jede Schwangerschaft, jede Geburt, aber insbesondere die vaginale Geburt, erhöht das Risiko, eine Beckenbodendysfunktion zu entwickeln.

Dies sei hinlänglich bekannt. Ein Kaiserschnitt schützt signifikant vor Senkungszuständen von Gebärmutter und Scheide.

Hinsichtlich der Harninkontinenz sei der Schutz weniger deutlich ausgeprägt. Insgesamt sei allein das weibliche Geschlecht ein Risikofaktor.“„Während die häufige postpartale (nach der Geburt eines Kindes; Anm.

d. Red.) Belastungsharninkontinenz gut konservativ und operativ behandelbar ist, seien die Optionen bei Senkungszuständen geringer, da es sich zu einem großen Teil um ein Bindegewebs- und nicht um ein Muskelproblem handelt.

Pessare (Hilfsmittel, die bei Damen mit Inkontinenz eingesetzt werden, zum Beispiel Ringe oder Würfel; Anm. d.

Red.) gehören hier zur konservativen Therapie.“„Ausgewertet wurde ein Register mit über 47.000 Geburten bei Frauen mit vorangegangener Sectio von 1983 bis 1996 (etwas, wovon man in Deutschland nur träumen kann, solche Daten lassen sich bei uns nicht erheben, wir wissen eigentlich nichts über unsere Patientinnen). Es erfolgte ein simples Design, alle Frauen mit Lebendgeburten am Termin nach vorangegangener Sectio wurden nachverfolgt.“„Die Stärken der Erhebung seien das langjährige Follow-Up von 20 Jahren.

Das sei exzellent, weil Beckenbodenprobleme häufig erst Jahre nach der Geburt auftreten, wenn andere Risikofaktoren wie Wechseljahre und Alter hinzukommen. Auch die Größe der Kohorte sei eine Stärke der Studie.“„Aus meiner Sicht sollte vor jeder Geburt eine Aufklärung über mögliche Beckenboden-Folgeschäden erfolgen, damit die Frau eine informierte Entscheidung fällen kann, zum Beispiel mithilfe des UR-Choice-Rechners.

Frauen wollen informiert sein, die wenigsten werden sich für einen Kaiserschnitt entscheiden.“Auf die Frage, ob man nicht jeder Frau auch bei Erstgeburt zu einem Kaiserschnitt raten müsse, damit sie keine Beckenbodenkomplikationen befürchten muss: „Nein, wenn sie keine der bekannten Risikofaktoren aufweist. Dazu gehören: kleine, übergewichtige Frau mit geschätztem Kindsgewicht über 4.000 Gramm und einer positive Familienanamnese.

Beckenbodenschäden muss jede Frau befürchten. Kaiserschnitte, insbesondere, wenn es mehr als zwei werden, haben möglicherweise fatale Komplikationen für Mutter und Kind.“Auf die Frage, wie relevant das Risiko sei für mögliche Komplikationen des Beckenbodens nach Vaginalgeburt im Verhältnis zu anderen Geburtskomplikationen für die Mutter (wie zum Beispiel psychische Belastung durch Kaiserschnitt-OP): „Ein psychisches Trauma speziell nach Sectio könne zwar auftreten, sei aber selten.

In meiner Sprechstunde seien vor allem Frauen, die nicht aufgeklärt wurden und frustriert und traumatisiert sind, weil ‚das habe mir keiner gesagt‘ und sie auch nicht in die Entscheidungsprozesse ausreichend einbezogen wurden.“„Ich würde Fakten, wie den Grund für den ersten Kaiserschnitt in die Entscheidung einbeziehen, zum Beispiel ein zu großes Kind, Missverhältnis zwischen Kindskopf und Becken, kindliche Fehleinstellung bei Geburt wie sogenannte Sternengucker. Das größte Risiko besteht in einer Uterusruptur unter der vaginalen Geburt durch die Wehen.“„Das Paper schließt aus meiner Sicht eine Wissenslücke.

Jegliche vaginale Geburt, auch nach vorangegangenem Kaiserschnitt, erhöht das Risiko einer Beckenbodendysfunktion. Dies sollte bei der Besprechung des Geburtsmodus beachtet werden.

Insgesamt war jedoch die Rate an Operationen von 2,4 Prozent sehr gering. Eine von den AutorInnen anerkannte Schwäche ist, dass weitere Risikofaktoren wie Body-Mass-Index nicht ausgewertet werden konnten, da sie nicht erhoben wurden.“„Weitere Risikofaktoren für die Entwicklung von Beckenbodenfunktionsstörungen wurden bereits in zahlreichen Studien untersucht und im Zusammenhang mit einer Entbindung im UR-CHOICE-Score beschrieben.

Dabei werden die Risikofaktoren Harninkontinenz vor der Schwangerschaft, Ethnie, Alter der ersten Entbindung, Körpergröße und BMI der Mutter, positive Familienanamnese für Beckenbodenfunktionsstörungen, Anzahl der gewünschten Kinder, sowie das geschätzte fetale Gewicht einbezogen [29].“Auf die Frage, wie die Methodik der Studie einzuschätzen ist: „Die retrospektive Datenanalyse mit einem Follow-Up von 21 Jahren habe mit einer Fallzahl von 47.414 eine ausreichende Power den Einfluss des Geburtsmodus auf Beckenbodenfunktionsstörungen zu verdeutlichen. Allerdings sei die Prävalenz der Erkrankungen noch häufiger im späteren Lebensalter, sodass die Nivellierung des Geburtsmodus durch das Lebensalter hier nicht erfasst wird.“Auf die Fragen, inwiefern eine Auswertung von mehrfachen Vaginalgeburten (ohne Kaiserschnitt) als Vergleich sinnvoll gewesen wäre: „MacArthur et al.

konstatierten schon, dass sei eine Sectio caesarea nur dann protektiv hinsichtlich Beckenbodenfunktionsstörungen ist, wenn es keine zusätzlichen vaginalen Entbindungen gibt [7]. Mit der Anzahl der vaginalen Entbindungen steigt das Risiko für Beckenbodenfunktionsstörungen [4][13][30].

Laut Swift et al. ist hingegen nur die Parität (Anzahl der Schwangerschaften; Anm.

d. Red.), nicht aber die Zahl der vaginalen Entbindungen ein Risikofaktor für Beckenbodenfunktionsstörungen [16].“„Beckenbodenfunktionsstörungen existieren häufig und können die Lebensqualität ungünstig beeinflussen [20][21][22].

Die Prävalenz liegt beispielsweise in den USA bei 23,7 Prozent der Frauen [20]. Die Ursachen seien vielfältig, werden aber vor allem bei prämenopausalen Frauen mit Schwangerschaft und Geburt assoziiert [23][24][16].

Die geburtshilflichen Risikofaktoren für eine Beckenbodenschädigung seien zahlreich und durch die häufige Koexistenz mehrerer Risikofaktoren schwer voneinander abzugrenzen.“„Auch nach einer Sectio caesarea steigt das Risiko für eine Harninkontinenz im Vergleich zu einer Frau, die noch kein Kind geboren hat, an, wenn auch nicht so stark wie nach vaginaler Entbindung [15]. Die Prävalenz der Harninkontinenz sei in der Literatur etwa sechs Monate nach Sectio caesarea immerhin mit 6 bis 17 Prozent beschrieben [1][2] und mehrere Jahre später mit 28 bis 39 Prozent [12][25][26].

Bis zu 40 Prozent der Patienten entwickeln nach Entbindung per Sectio caesarea eine anale Inkontinenz [26][27] und 7 bis 16 Prozent der Patienten eine fäkale Inkontinenz. Für einen Genitaldescensus lag der Anteil bei ein bis sechs Prozent [7][9][12][25][26][28].

Das heißt auch mit einer Sectio besteht für die Frau keine absolute Sicherheit von einer Beckenbodenfunktionsstörung verschont zu bleiben.“Auf die Fragen, in welchem Verhältnis bei der Abwägung der Entbindungsmethode die gesundheitlichen Auswirkungen eines Kaiserschnitts auf das Kind zu möglichen Folgekomplikationen durch die Geburtsmethode stehen: „Die Risiken einer Sectio caesarea für das Kind reichen von einer veränderten Entwicklung des Immunsystems mit einer Neigung zu Allergien, Atopie und Asthma bis hin zu einem veränderten intestinalen Mikrobiom und metabolischem Syndrom [18][19]. Bis zu einem Alter von 28 Jahren zeigte sich eine höhere Prävalenz von Adipositas im Vergleich zu vaginal entbundenen Kindern.

Die Ursachen werden dabei vor allem in der geringeren Exposition gegenüber dem mütterlichen Mikrobiom sowie der verringerten Stresshormonausschüttung vermutet [19].“Dr. Kaven Baeßler: „Ich habe keine Interessenkonflikte.“Fitzpatrick KE et al.

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