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Wissenschaft

Nach Abschluss des Klimagipfels COP27

2022-11-21 14:25:06
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Quelle: Science Media Center Deutschland

Die 27. UN-Klimakonferenz COP27 ist am frühen Sonntagmorgen zu Ende gegangen, wie das Science Media Center Deutschland schreibt.

Die Beschlüsse des Gipfels sehen den Aufbau eines gemeinsamen Fonds zum Ausgleich von Klimaschäden in ärmeren Ländern vor, auch wenn noch keine konkreten Summen festgelegt und entschieden wurde, welche Staaten in diesen Fond einzahlen – darüber solle im kommenden Jahr auf der COP28 in Dubai entschieden werden.Zudem bekräftigten die verhandelnden Staaten die Vereinbarung des Klimagipfels in Glasgow 2021, die Verbrennung von Kohle zu reduzieren. Ein angestrebter Ausstieg aus der Nutzung von Öl und Gas werde nicht erwähnt.

Grundsätzlich aber werden die Ziele des Pariser Klimaabkommens bekräftigt – zwischenzeitlich schien es so, als könnten diese aufgeweicht werden. Erstmals findet sich nun auch die Forderung nach einem Ausbau der Erneuerbaren Energien im Abschlussdokument einer COP.

Demnach solle ein sauberer Energiemix angestrebt werden, zu dem eine Energieproduktion mit geringem Treibhausgasausstoß sowie erneuerbare Energien gehören sollen.In diesem Jahr fand der Gipfel unter dem Eindruck gleich dreier globaler Krisen statt: Die Auswirkungen der Pandemie seien im dritten Jahr noch immer überall massiv spürbar, die Folgen des fortschreitenden Klimawandels zeigen sich inzwischen in allen Regionen der Welt immer intensiver und mit größerem Nachdruck und die Welt steht unter dem Eindruck des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine. Zudem sei die COP27 der erste Klimagipfel nach der Veröffentlichung aller drei Berichte der Arbeitsgruppen des Sechsten Sachstandsberichts des Weltklimarates IPCC, die noch einmal die Dringlichkeit unterstreichen, mit der sich die Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger der Welt allen Facetten des Klimaschutzes widmen müssen.Zwei Wochen diskutierten und verhandelten Delegierte aus gut 200 Ländern im ägyptischen Sharm El-Sheikh unter dem Motto „Together for just, ambitious implementation NOW“, um erneut über die Umsetzung und Ausgestaltung des Pariser Klimavertrages zu verhandeln.

Eigentlich sollte der Gipfel am Freitag zu Ende gehen, schließlich wurde bis in den frühen Sonntagmorgen um die gemeinsame Abschlusserklärung [I] gerungen.„Mit den Weichenstellungen zum Thema ‚Verluste und Schäden‘ habe die COP27 in etwa die Erwartungen erfüllt, die man realistischerweise haben konnte. Es habe aus Sicht der Entwicklungsländer 30 Jahre gedauert, dies als eines der Kernthemen der globalen Klimapolitik zu etablieren.

Und es werde angesichts des fortschreitenden Klimawandels in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen.“„Beim Thema Klimaschutz/Emissionsminderungen sei so gut wie nichts vorangekommen, etwa beim ‚Global Stocktake‘, der bei der COP28 Ende 2023 abgeschlossen werden soll. Es war eines der wichtigsten Versprechen des Pariser Abkommens, dass es alle fünf Jahre eine ‚globale Bestandsaufnahme‘ geben soll, die zu einem Schließen der Ambitionslücke zwischen nationalen Zusagen und globalen Klimazielen führt.

Das werde sich auf absehbare Zeit nicht einlösen lassen, auch weil die Lücke schon enorm groß ist, und die globalen Emissionen bis 2030 um 25 beziehungsweise 45 Prozent – für deutlich unter 2 Grad beziehungsweise 1,5 Grad – sinken müssten.“„Überraschend war, dass die EU derart deutlich versucht hat, China bei Zahlungen für ‚Verluste und Schäden‘ in die Pflicht zu nehmen. Bislang war das vor allem eine US-amerikanische Position.

Es zeigt, dass die alten Industriestaaten nicht mehr bereit sind, China den Status eines Entwicklungslandes zuzugestehen. Die chinesischen Pro-Kopf-Emissionen liegen inzwischen über denen der EU.“„Es lasse sich keine neue Dynamik beim Klimaschutz erkennen.

Das 1,5-Grad-Ziel sei wieder einmal nur auf dem Papier verteidigt und ‚gerettet‘ worden. Die Beschlüsse zu Emissionsreduktionen unterscheiden sich nicht von denen der COP26 in Glasgow – und seien im Folgejahr bekanntermaßen weitgehend ignoriert worden.

Da die globalen Emissionen immer noch nicht sinken, werde sich ein Überschreiten der 1,5-Grad-Marke kaum noch vermeiden lassen. Der Weltklimarat IPCC rechnet damit, dass dies in den 2030er Jahren der Fall sein wird.

Um das ‚1,5-Grad-Ziel am Leben zu erhalten‘, verbliebe danach nur noch die theoretische Möglichkeit, die Temperatur im Laufe des Jahrhunderts wieder zum Sinken zu bringen (‚overshoot‘), indem man global mehr CO2 aus der Atmosphäre entfernt als man noch emittiert. Ein solches Szenario erscheint aus heutiger Sicht extrem optimistisch.“Auf die Frage, warum in Ägypten scheinbar deutlich weniger Initiativen vorgestellt wurden, nachdem im Vorjahr in Glasgow zahlreiche, teilweise recht ambitionierte Aktivitäten der Öffentlichkeit vorgestellt wurden: „In Glasgow standen Emissionsminderungen sehr viel stärker im Vordergrund, solche Ankündigungen seien stärker greifbar.

Gleichzeitig sei bei der Umsetzung vieler dieser Initiativen noch nicht viel passiert, oder es lasse sich medial nicht so leicht vermitteln. Manchmal werden frühere Versprechen einfach wiederholt, etwa beim Glasgower ‚Deforestation Pledge‘.

Am bemerkenswertesten war bei der COP27 die Ankündigung einer Transformations-Partnerschaft mehrerer Industrieländer – darunter auch Deutschland – mit Indonesien, um dessen kohleabhängigen Stromsektor schneller zu dekarbonisieren. Dies folgt einer ähnlichen Initiative mit Südafrika, die bei der COP26 verkündet wurde, über deren Umsetzung jedoch nur wenig bekannt ist.“„Wie schon in Glasgow 2021 verfestigt sich auch bei der COP27 der Eindruck, dass zentrale Erkenntnisse des Weltklimarates IPCC zur Erreichbarkeit des 1,5-Grad-Ziels von der internationalen Klimadiplomatie nur selektiv wahrgenommen werden.

Immer unterhalb dieser Marke zu bleiben sei nicht mehr plausibel. Ein zumindest temporäres Überschreiten der 1,5-Grad-Marke werde sich kaum noch verhindern lassen, selbst wenn die Emissionen bis 2030 um 43 Prozent sinken würden, wie in der Abschlusserklärung von Sharm El-Sheikh formuliert.

Dies einzugestehen, würde die Debatten um Finanzmittel für ‚Verluste und Schäden‘ jedoch noch komplizierter machen.“Forschungskoordinator für internationale Klimapolitik, Abteilung Energie und Klimaschutz, Öko-Institut e.V. und Mitglied der EU-Verhandlungsdelegation auf der COP„Bei den Verhandlungen zu den detaillierten Regeln für die Umsetzung des Pariser Übereinkommens konnten wichtige Arbeiten abgeschlossen werden.

Insbesondere wurden weitere Regeln für die Nutzung von internationalen Kohlenstoffmärkten vereinbart. Hierbei ging es vor allem um die Transparenz darüber, wie Länder Klimazertifikate nutzen.

Im Resultat seien die Ergebnisse hier allerdings eher durchwachsen.“„Das 1,5-Grad-Limit bleibt weiter auf der Intensivstation bei sich verschlechterndem Zustand. Die Konferenz habe die Minimalanforderungen erfüllt, aber das reicht bei weitem nicht.

Mit Blick auf das 1,5-Grad-Limit wurde ein ganzes Jahr vertrödelt. Es gab keine großen neuen Klimaschutzzusagen, dafür aber große Unterstützung für neue Gasinfrastruktur.

Damit werde es jetzt deutlich schwerer, globale Treibhausgasemissionen bis 2030 zu halbieren, wie es für das Erreichen des 1,5-Grad-Ziels nötig wäre, denn es seien bis dahin jetzt nur noch sieben Jahre und nicht mehr acht.“„Ein Durchbruch sei der neue Finanzierungsmechanismus für Schäden des Klimawandels. Darauf wurde über zehn Jahre gewartet.“„Im Schatten der Energiekrise sei es aber völlig ausgeblieben, in den Notfallmodus umzuschalten.

Man habe sich nicht mal auf das Offensichtliche einigen können: Dass alle fossilen Energien heruntergefahren werden müssen, nicht nur Kohle. Das sei eigentlich seit Abschluss des Pariser Klimaschutzabkommens klar.

Nun könne der Run auf neue Gasinfrastruktur weitergehen, die Befürworter sehen sich sogar bestätigt.“„Bei der Konferenz seien große neue Klimaschutzzusagen ausgeblieben. Glasgow vor einem Jahr war ein kleiner, aber wichtiger Schritt in die richtige Richtung mit viele neuen nationalen Klimaschutzzielen und internationalen Initiativen.

Dies sei alles dieses Jahr ausgeblieben. Wir hätten aber dieses Jahr – und jedes einzelne Jahr danach – einen ebenso großen Schritt gebraucht.“„Emotional fühlte sich diese COP an wie der Aufenthalt auf einem völlig überfüllten Flughafen in der Urlaubszeit: Menschenmassen, überall Sicherheitspersonal und Überwachung, Verpflegung überteuert oder außer Reichweite, das Gefühl von Orientierungslosigkeit, es geht einfach nicht voran.

Aber am Ende sei dann doch der Knoten geplatzt. Die wichtigsten Ergebnisse seien das Sofortprogramm für gesteigerte Klimaschutzaktivitäten (Mitigation Work Programme) sowie der Fonds für die Finanzierung von Schäden und Verluste (Loss & Damage).“ „Es fehlt in den Beschlüssen hingegen ein klares Bekenntnis zum Ausstieg aus der Förderung und Nutzung fossiler Energieträger.

Zwischenzeitlich hatte Indien einen Formulierungsvorschlag gemacht, der breite aber offensichtlich nicht universelle Zustimmung gefunden hat. In der Abschlusserklärung sei jetzt nur noch davon die Rede, den Anteil von erneuerbaren und ‚Niedrigemissions‘-Energien zu steigern.

Letzteres lasse einen weiten Interpretationsspielraum, den manche Länder auch im Sinne einer Steigerung der Förderung von Erdgas auslegen könnten.“ „Überraschend war für mich, dass der ‚Sharm El-Sheikh Implementation Plan‘ ein Mandat für die Schaffung eines Just Transition Work Programme enthält. Dies sei eine Innovation der letzten Tage und Stunden, und hatte sich so nicht abgezeichnet.

Das Just-Transition-Prinzip war auf Druck der Gewerkschaftsorganisationen in die Präambel des Paris Agreement aufgenommen worden. Seither habe es sich weltweit als Norm für die Umsetzung der tiefgreifenden Transformationsprozesse etabliert.

Mit den Just Energy Transition Partnerships zwischen einer Gruppe von Geberländern und Südafrika – verabschiedet in Glasgow 2021 – und Indonesien – parallel in diesem Jahr auf dem G20-Gipfel in Bali verabschiedet – gibt es bereits zwei Prozesse internationaler Kooperation und weitere werden aller Voraussicht nach folgen. Es sei sinnvoll, diese Erfahrungen gebündelt aufzuarbeiten und etwa Kriterien für Just Transition zu erarbeiten, sowie Metriken zu entwickeln, um die Wirksamkeit von Maßnahmen überprüfen zu können.“„Über das Jahr hatte sich schon abgezeichnet, dass es kaum neue und ambitioniertere Klimaschutzpläne geben würde.

Insofern war Sharm El-Sheikh nicht der bitter nötige Wendepunkt. Mit jedem Tag werde die Kehrtwende schwieriger und das Erreichen des 1,5-Grad-Ziels weniger wahrscheinlich.

Ein positives Ergebnis sei jedoch das verabschiedete Sofortprogramm für gesteigerte Klimaschutzaktivitäten (Mitigation Work Programme). Die Innovation dieses Programms besteht darin, dass erstmals im UNFCCC-Kontext Aktivitäten entlang konkreter sektoraler Systeme wie Energieversorgung, Industrie, Verkehr, Gebäude, urbane Systeme, sowie Land- und Forstwirtschaft diskutiert werden.

Wenn wir das 1,5-Grad-Ziel erreichen wollen, müssen alle diese Systeme grundlegend transformiert werden. Der Fokus darauf sollte es den Ländern ermöglichen, konkrete und sektorspezifische Herausforderungen und Barrieren aber auch Chancen der Transformation zu identifizieren und so hoffentlich neue Hebel und Ansatzpunkte für die Umsetzung von Klimaschutzaktivitäten zu finden.“Auf die Frage, warum in Ägypten scheinbar deutlich weniger Initiativen vorgestellt wurden, nachdem im Vorjahr in Glasgow zahlreiche, teilweise recht ambitionierte Aktivitäten der Öffentlichkeit vorgestellt wurden: „Tatsächlich haben die Aktivitäten von nicht-staatlichen und subnationalen Akteuren in diesem Jahr weniger Aufmerksamkeit auf sich gezogen.

Im vergangenen Jahr hatte die britische COP-Präsidentschaft mit erheblichen diplomatischen Ressourcen eine Reihe von ‚Breakthroughs‘ vorbereitet. Nachvollziehbar standen der ägyptischen Regierung nicht die gleichen Möglichkeiten zur Verfügung.“„Abgesehen davon gab es aber einige Entwicklungen, die vielleicht weniger mediale Aufmerksamkeit auf sich ziehen konnten, die aber dennoch wichtig sind.

Erstens gab es eine Reihe von Ankündigungen für die konkrete Umsetzung der zuvor beschlossenen Ziele. Beispiele seien etwa die neu gegründete Africa Green Hydrogen Alliance oder das neue Programm für Industrietransformation des Climate Investment Funds (CIFs), welches erstmals in großem Umfang Finanzmittel für die Umsetzung von Transformationsprozessen in Entwicklungsländern bereitstellt.“ „Und drittens beobachteten wir einen Fokus auf Verantwortlichkeit, Transparenz und Metriken.

So habe etwa die ISO (International Standards Organisation) ihre ‚Net Zero Guidelines‘ veröffentlicht und damit einen Standard für glaubwürdige Ziele und Maßnahmen für Klimaneutralität auf Unternehmensebene. Auch im Kontext des Race to Resilience wurde ein Rahmenwerk zur Wirkungsmessung von Maßnahmen nicht-staatlicher Akteure eingeführt.“„Die COP27 endete am frühen Sonntagmorgen nach sehr schwierigen Verhandlungen mit einer gemeinsamen Abschlusserklärung.

Das es ein gemeinsames Dokument gibt, sei gut so und über die zwei Wochen nicht immer zu erwarten gewesen. Das Ergebnis selbst und der Prozess seien aber ernüchternd.

Zwar gab es einen historischen Durchbruch bei der Einrichtung eines Fonds für die Abdeckung von durch den Klimawandel entstandenen Schäden und Verlusten für die verletzlichsten Staaten, es sei aber nur mit Not gelungen hinsichtlich der Zielsetzung, die Temperaturerhöhung gegenüber dem vorindustriellen Niveau in Grenzen zu halten, mit der Bestätigung des 1,5-Grad-Ziels nicht hinter Beschlüsse früherer Klimakonferenzen zurückzufallen.“„Dominiert wurde die COP27 von vielfältigen Abwehrkämpfen. Vor allem von China, das weiter als Entwicklungs- und Schwellenland anerkannt werden will, um nicht in internationale Töpfe einzahlen zu müssen.

Und von den großen erdöl- und erdgasproduzierenden Ländern, die vermeiden wollten, dass es neben einer Ausstiegsempfehlung für die Verbrennung von Kohle auch eine gemeinsame Erklärung für die perspektivische Abkehr von Öl und Gas gibt und damit wichtige Investitions- und Innovationsimpulse für nicht-fossile Alternativen. Und nicht zuletzt von Brasilien, das noch bestimmt durch die Bolsonaro-Administration fortschrittliche und dringend notwendige Vorgaben für den Landschafts- und Artenschutz blockiert hat.“„Auf der COP27 wurden kaum Fortschritte erreicht, um das Tempo für die globale Reduktion der Treibhausgasemissionen zu erhöhen.

Das sei eine verpasste Chance, sich klar zur globalen Verantwortung zu bekennen und entsprechend zu handeln. Kommt es hier nicht kurzfristig zu einer Umkehr und Einsicht der Staatengemeinschaft, werde es nicht nur schwierig bis unmöglich werden, das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen, sondern insgesamt die Folgen des Klimawandels in handhabbaren Grenzen zu halten.

Dabei zählt gerade mit Blick auf die verletzlichsten Staaten der Welt – aber auch zur Eingrenzung der Zunahme von Anzahl und Intensität der Wetterextreme bei uns – jedes Zehntel Grad.“„Aus diesem Gesamtblickwinkel heraus geraten viele positive bi- und multilaterale Impulse zur Nebensache. Dabei gibt es hier vieles berichtenswertes, beispielsweise den Abschluss einer Joint Energy Transformation Partnership (JETP) mit Indonesien, einem der größten kohleverstromenden Länder, die Unterstützung Ägyptens, dem Gastgeber der COP, für den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien, die Wasserstoffinitiative der deutschen Bundesregierung, die mit weiteren Geldern den Aufbau einer globalen Wasserstoffwirtschaft vorantreiben will oder die Absicht der USA, diejenigen, die Produkte oder Dienstleistungen an den amerikanischen Staat verkaufen, zu verpflichten, sich auf einen nachprüfbaren Paris-kompatiblen Treibhausgasminderungspfad zu begeben.“„Die diesjährige COP hatte von Anfang an mit schwierigen Rahmenbedingungen zu kämpfen.

Dies betrifft die allgemein sehr angespannte geopolitische Lage und die damit verbundene Frage, inwieweit multilaterale Vereinbarungen unter diesen Bedingungen überhaupt möglich seien – in einer Zeit, in der sich die Welt unter anderem hinsichtlich der Bewertung des Angriffskriegs Russland auf die Ukraine und angemessener Reaktionen darauf nicht vollständig einig ist.“„Vor diesem Hintergrund muss man es schon als Erfolg bezeichnen, dass es auf der COP27 überhaupt zu Vereinbarungen gekommen ist. Grundsätzlich habe sich über die zwei Wochen wieder gezeigt, wie schwierig und langwierig auf Konsens ausgerichtete internationale Verhandlungen seien und dass leider längst nicht alle Staaten – trotz der immer sichtbareren Folgen des Klimawandels – ihre Verantwortung für eine schnelle Reduktion der Treibhausgase anerkennen.

Dies gilt beispielhaft für Länder wie China, die weiter darauf pochen, der Gruppe der G77 – also der Gruppe der Entwicklungs- und Schwellenländer – zugeordnet zu werden, um damit unter anderem Verpflichtungen zum Einzahlen in einen Entschädigungsfonds entgehen zu können.“„Gerade die Einordnung von China sei aber mittlerweile hoch umstritten, da die Zuordnung zur G77 bereits 1992 erfolgte – also lange bevor das Land zu der wirtschaftlichen Supermacht wurde, das es jetzt ist. Auch die nahezu vollständige Blockade Brasiliens – dessen Haltung in Sharm El-Sheik noch durch die Bolsonaro-Administration bestimmt wurde – hinsichtlich der wichtigen Diskussion von Zielen und Maßnahmen für den Naturschutz zum Erhalt der Biodiversität aber auch zum Klimaschutz, zeigt die Schwierigkeit konsensualer internationaler Prozesse.

Zwangsläufig kommt einem das Bild der zu langsam kriechenden Schnecke in den Sinn.“„Auf der Positivseite des Gipfelbeschlusses steht sicher, dass es nicht nur gelungen ist, das Thema Schäden und Verluste erstmals auf die Agenda einer COP zu setzen, sondern auch die Grundsatzentscheidung zu treffen, einen Entschädigungsfonds bis zum Jahr 2024 einzurichten, und diesen so auszugestalten, dass er ausschließlich den verletzlichsten Staaten zugute kommt. Eine Entscheidung, die angesichts der immer größer werdenden Schere zwischen den Klimawandel-verursachenden Ländern und den am Klimawandel besonders leidenden Ländern überfällig gewesen ist.

Allerdings seien viele Details noch offen, insbesondere die Frage, wer in den Fonds einzahlt, wann und wie viel. Es bleibt noch viel zu tun, bis sich das Anerkennen der ‚historischen Schuld‘ auch in konkreten Unterstützungsmaßnahmen niederschlägt.“„Mit Blick auf die beiden Verhandlungswochen muss auch als Erfolg gewertet werden, dass das 1,5-Grad-Ziel weiter aufrechterhalten bleibt und man damit nicht hinter die Vereinbarungen vom vergangenen Klimagipfel in Glasgow zurückfällt.

Auf die Beibehaltung des Ziels hatte vor allem die EU gedrungen – mit Recht, denn ein Aufweichen wäre ein verheerendes Signal gewesen, hätte den Handlungsdruck reduziert und zu noch weniger Bereitschaft vieler Länder geführt, ihre Klimaschutzziele zu verschärfen.“„Ohnehin sei die im Vorfeld des Gipfels schon erkennbare geringe Bereitschaft der Staatengemeinschaft, ihre Klimaschutzziele zu erhöhen und ihre Ambitionen zur Umsetzung der schon bestehenden Ziele zu verstärken, eine große Enttäuschung. Diese Schieflage zwischen Handlungsdruck und realem Handeln werde noch dadurch verstärkt, dass es auf der COP nur zu der Verabschiedung eines eher weichen Arbeitsprogramms gekommen ist.

Die EU hatte sich dafür eingesetzt, neben dem globalen ‚Stock Take‘ – das heißt einer Zwischenbilanz des bis dato Erreichten, die für nächstes Jahr vorgesehen sei – bis 2030 jedes Jahr Bilanz zu ziehen und damit eine gute Übersicht über die Handlungslücke zu haben und entsprechend darauf reagieren zu können. Ein nur mehrjähriger Zyklus sei dafür viel zu unscharf.“„Natürlich sei klar, dass sich die Wahrscheinlichkeit, dass das 1,5-Grad-Ziel tatsächlich noch eingehalten werden kann, von Jahr zu Jahr verringert.

Der Weltklimarat hatte in seinem aktuellen, im Jahr 2021 veröffentlichten Statusreport deutlich gemacht, dass hierfür eine Verringerung der globalen Treibhausgasemissionen von mehr als 40 Prozent bis 2030 und das Erreichen von Netto-Null-Emissionen in den frühen 2050er Jahren notwendig ist. Gleichwohl sollte mit Blick auf die schon mit einer Temperaturerhöhung von 1,5 Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau verbundenen ganz erheblichen Auswirkungen – die bei einem Überschreiten dieser Schwelle zum Teil exponentiell weiter ansteigen, zum Beispiel die Zahl der von Wasserknappheiten betroffenen Menschen – die Zielmarke nicht fahrlässig aus den Augen verloren werden.

In jedem Fall lohnt es sich, für jedes Zehntelgrad Verringerung der Temperaturerhöhung zu kämpfen. Schon dafür braucht es ambitionierte Zielmarken, gerade auch zum Schutz der verletzlichsten Staaten dieser Welt, aber auch zur Verringerung von Anzahl und Intensität der Wetterextreme bei uns.“„Enttäuschend sei ferner, dass es nicht gelungen ist, die Staatengemeinschaft nicht nur dazu aufzurufen, so schnell wie möglich aus der Nutzung von Kohle auszusteigen, sondern auch perspektivisch auf Erdöl und Erdgas zu verzichten und damit das Zeitalter der fossilen Energieträger zu beenden.

Bei aller Unbestimmtheit der Formulierungen wäre das Signal wichtig gewesen und hätte sicher nicht nur dafür sorgen können, die Investitions- und Innovationsdynamik im Bereich der Alternativen zu Kohle, Erdöl und Erdgas zu erhöhen, sondern auch die ökonomischen Risiken der Neuerschließung von Öl- und Gasfeldern, die derzeit in vielen Ländern geplant wird, deutlich herauszustellen. Mit einer klaren Formulierung zum Ausbau Erneuerbarer Energien, die über Formulierungen früherer Jahre hinausgeht, setzt die COP27 dennoch positive Akzente.“Auf die Frage, warum in Ägypten scheinbar deutlich weniger Initiativen vorgestellt wurden, nachdem im Vorjahr in Glasgow zahlreiche, teilweise recht ambitionierte Aktivitäten der Öffentlichkeit vorgestellt wurden „Es gab auf der COP27 durchaus viele Initiativen und Auftritte einiger Staatenlenker, die positiv überrascht haben, mindestens aber Schwung in die Debatte gebracht haben und Beiträge zur Zielsicherheit leisten.

Hierzu im Folgenden vier Beispiele.“„Eine wichtige und zudem klare Botschaft gab es bereits ganz zu Beginn der COP27 von UN Generalsekretär Gueterres, der nicht nur sehr deutlich gemacht hat, wie ernst die Lage ist, sondern auch Klartext zum boomenden Offsetting-Markt und zu der Formulierung von Klimaneutralitätszielen von Unternehmen gesprochen hat. Notwendig sei nach seiner Ansicht, klare und nachvollziehbare Anforderungen an diese zu stellen, um Green Washing und Beliebigkeit zu vermeiden.“„Enorm wichtig war auch der Abschluss einer Joint Energy Transformation Partnership (JETP) mit Indonesien, einem der größten kohleverstromenden Länder.

Die Partnerschaft folgt dem Geiste nach der Verabredung mit Südafrika, die auf der COP26 in Glasgow geschlossen wurde. Demnach wollen die USA, Japan und andere Länder ein Klimafinanzierungsabkommen in Höhe von mindestens 15 Milliarden US-Dollar abschließen, damit Indonesien Kohlekraftwerke vorzeitig stilllegt.

Für Südafrika wurde vergangenes Jahr ein Volumen von 8,5 Milliarden US-Dollar vereinbart. Es bestehen durchaus Chancen, dass derartige Partnerschaften kurzfristig auch für andere Länder wie etwa Vietnam entwickelt werden – Bundeskanzler Olaf Scholz hatte dazu in der vergangenen Woche Gespräche geführt.“„Ein starkes Signal ging durchaus auch vom Auftritt des amerikanischen Präsidenten Joe Biden aus.

Vielleicht weniger von der länglichen und kleinteiligen Initiative des Weißen Hauses zur Stärkung der nationalen und internationalen Klimaschutzanstrengungen, sondern von einem Passus in dem Papier, in dem die Unternehmen, von denen der amerikanische Staat Güter kauft – immerhin im Wert von 650 Milliarden US-Dollar jedes Jahr und damit ein ganz erhebliches Marktvolumen – verpflichtet werden, sich auf einen nachprüfbaren Paris-kompatiblen Treibhausgasminderungspfad zu begeben. Wird die Umsetzung nachgehalten, sei dies ein scharfes Schwert.“„Schließlich gab es viele gute weitere Initiativen von einzelnen Ländern, die das Potential haben, die globale Energiewende weiter voranbringen zu können.

Traditionell adressieren dabei viele Maßnahmen das Gastgeberland, in diesem Jahr Ägypten, zum Beispiel die Unterstützung der USA beim Aufbau von 10 Gigawatt Windkraft- und Solaranlagen und die die Wasserstoffinitiative der Bundesregierung, die mit weiteren Geldern den Aufbau einer globalen Wasserstoffwirtschaft vorantreiben will. Hierzu habe der Bund gemeinsam mit der staatlichen Förderbank KfW zwei neue Fonds mit einer finanziellen Ausstattung von 550 Millionen Euro ins Leben gerufen.“Das SMC werde die hier bereitgestellten Informationen ausschließlich in Übereinstimmung mit den Datenschutzhinweisen verwenden.

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