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Wissenschaft

Post Covid tritt in allen Altersgruppen auf

2022-11-11 18:25:06
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Quelle: Science Media Center Deutschland

Monate nach einer COVID-19-Infektion haben auch Kinder und Jugendliche oft noch mit Gesundheitsproblemen zu kämpfen, nicht nur Erwachsene, wie das Science Media Center Deutschland schildert.

Dies geht aus einer neuen, retrospektiven Studie der Technischen Universität Dresden hervor, die Donnerstagabend im Fachblatt „Plos Medicine“ veröffentlicht werde (siehe Primärquelle). Demnach war die Wahrscheinlichkeit, dass Kinder und Jugendliche, die mit COVID-19 infiziert waren, drei Monate oder länger nach der Infektion Gesundheitsprobleme hatten, um 30 Prozent höher als in der Kontrollgruppe.

Bei Erwachsenen waren es 33 Prozent.Die Symptome unterschieden sich je nach Altersklasse: Kinder und Jugendliche litten am stärksten an Unwohlsein, Müdigkeit, Erschöpfung, Husten sowie Hals- und Brustschmerzen. Aber auch die Raten von Kopfschmerzen, Fieber, Bauchschmerzen, Angstzuständen und Depressionen waren erhöht.

Bei Erwachsenen wurden drei Monate nach einer COVID-19-Infektion vor allem Geruchs- und Geschmacksstörungen, Fieber und Atemnot diagnostiziert, ferner auch Husten, Hals- und Brustschmerzen, Haarausfall, Müdigkeit, Erschöpfung und Kopfschmerzen. Das Risiko für neu auftretende psychische Gesundheitsprobleme war bei Kindern und Jugendlichen höher als bei Erwachsenen, während das Gegenteil für Lungenleiden zutraf.

Ein kausaler Zusammenhang zwischen Infektion und Symptom könne anhand der Daten aber nicht hergestellt werden.Bisher wurde bei Kindern und Jugendlichen das Risiko für eine Post-Covid-Symptomatik als eher gering beschrieben. Und auch die Forschenden aus Dresden schreiben, dass Kinder und Jugendliche seltener betroffen seien als Erwachsene.

Dennoch zeigten die Daten eindrücklich, dass alle Altersklassen von langfristigen Symptomen nach einer Infektion betroffen sein können, heißt es. Damit stehen ihre Ergebnisse im Gegensatz zu jenen früherer epidemiologischer Studien, in denen keine signifikanten Unterschiede zwischen infizierten Kindern und Jugendlichen und Kontrollgruppen festgestellt wurden [I] [II] [III] [IV] [V].Eine Besonderheit der Dresdner Studie sei der Abgleich mit anonymisierten Krankenkassendaten nach dem Vorbild israelischer und britischer Studien: Die Forschenden erstellten zunächst einen Datensatz mit 11.950 Kindern und Jugendliche sowie 145.184 Erwachsenen, die sich nachweislich zwischen 2019 und 2020 mit COVID-19 infiziert hatten.

Anschließend verglichen sie die Diagnosen, die mindestens drei Monate nach der Infektion in die Krankenakte eingetragen wurden, mit einer Kontrollkohorte von mehr als 750.000 nicht infizierten Personen mit gleichem Alter, Geschlecht und gleichen Vorerkrankungen. Die Daten stammen von sechs deutschen Krankenkassen.„Stärken dieser Studie der TU Dresden seien die große Zahl von erfassten Daten durch die Kooperation mit einigen deutschen Krankenkassen, der Nachweis der Sars-CoV-2-Infektion mittels PCR und der Vergleich mit Alters- und Geschlecht-gematchten nicht-infizierten Versicherten.

Dies macht die Zahlen zur Inzidenz von Long Covid und der Symptom-Cluster bei Erwachsenen sowie Kindern und Jugendlichen recht verlässlich, auch wenn die Daten retrospektiv ausgewertet wurden. Bei Erwachsenen waren Riech- und Schmeck-Störungen (Anosmie/Ageusie), Fieber und Atemnot (Dyspnoe), bei Kindern Erschöpfung (Fatigue), Husten und Brustschmerzen am häufigsten.

Berücksichtigt wurden Infektionen bis Mitte 2020, was bedeutet, dass weder Infektionen durch die Omikron-Variante noch Effekte der SARS-CoV-2-Impfungen erfasst wurden. Klar wird, dass Long Covid sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern ein wichtiges Thema ist, auch nach mildem Verlauf der Akutinfektion.“„Probleme der Studie ergeben sich allerdings auch aus der Auswertung von Krankenkassendaten: Die Verschlüsselungsqualität limitiert die Wertigkeit der Ergebnisse, ebenso die retrospektive Auswertung.

Es liegen Daten von 1,2 Millionen an COVID-19-Erkrankten aus 22 Ländern vor, darunter auch Deutschland, aus der Zeit zwischen März 2020 und Januar 2022 mit Auswertung von 54 gepoolten Studien und zwei medizinischen Datenbanken. Sie zeigen, dass respiratorische Probleme, eine Fatigue-Symptomatik und kognitive Beeinträchtigungen bei Post Covid am häufigsten seien [1].“„In einer Auswertung von Gesundheitsdaten des US Department of Veterans Affairs wurden drei Kohorten verglichen: 154.068 Personen mit COVID-19-Erkrankung, 5.638.795 zeitgleich nicht COVID-Erkrankte und 5.859,621 historische Kontrollen (vor der Pandemie) mit einem Follow-up von 400 Tagen.

Es zeigte sich eine hohe Inzidenz von Anosmie/Ageusie, Myalgien und kognitiven Problemen, aber auch ein erhöhtes Risiko für zerebrovaskuläre Ereignisse bis zu einem Jahr nach der Infektion [2]. Dass es unterschiedliche neurologische Manifestationen im COVID-19-Akutverlauf bei Erwachsenen und Kindern gibt, zeigt die Arbeit von Cho SM, White N, Premraj L et al.

[3].“„Die vorliegende Studie bestätigt nun für Deutschland die international beschriebenen Post-Covid-Symptomcluster bei Erwachsenen und zeigt, dass Kinder ein anderes Muster auch postakut haben. Was leider auch diese Studie nicht zeigen kann, ist, ob tatsächlich ein Kausalzusammenhang zwischen SARS-CoV-2-Infektion und allen hier beschriebenen Symptomen besteht.“„In einer prospektiven Fall-Kontroll-Studie von Juli 2020 bis Juli 2021 wurden hospitalisierte COVID-19-Überlebende und Kontrollen mit vergleichbar schwerer hospitalisierungspflichtiger Nicht-COVID-19-Erkrankung verglichen.

Was sich dabei zeigte, war, dass die Häufigkeit neuropsychiatrischer Diagnosen nach sechs Monaten in der COVID-19-Gruppe und der Kontrollgruppe nicht signifikant unterschiedlich war! Lediglich der Verlust des Geruchssinns (Anosmie) war nach COVID-19 signifikant häufiger [4]. Dies bedeutet, dass die Ergebnisse aller retrospektiven Observationsstudien mit Vorsicht betrachtet werden müssen.“„Insgesamt erscheint diese Arbeit sehr solide und sorgfältig ausgeführt.

Insbesondere vor dem Hintergrund, dass es eine Vielzahl Post-Covid-Prävalenzstudien ohne Kontrollgruppe gibt, sodass es wahrscheinlich zu falsch positiven Post-Covid-Fällen kommt (eigentlich dann als psychosoziale Reaktion zu werten durch die besondere Belastung der Allgemeinbevölkerung durch die Pandemie).“„Die Dresdner Studie habe mehrere Pluspunkte: Es gibt eine gut gewählte Kontrollgruppe, was ja sonst schon selten ist. Dann sei es insgesamt eine große Kohorte, insbesondere mit Kindern.

Die Forschenden halten sich an die zeitliche Definition entsprechend der NICE-Kriterien beziehungsweise der WHO, also Persistenz der Symptome über mehr als zwölf Wochen. Auch die Notwendigkeit des SARS-CoV-2-Nachweises per PCR sei erwähnenswert (derlei Kriterien seien häufig nicht vorhanden).

Die Diagnosen wurden durch einen Arzt oder Psychotherapeuten gestellt, also im Rahmen einer Präsenzvisite, nicht via App oder Selbsteinschätzung. Zusammenfassend untermauern die Ergebnisse viele bereits bekannte Daten.“„Es gibt allerdings auch einige Kritikpunkte, die erwähnt werden sollten: Die Vermischung von stationären (sogar intensivmedizinischen) und ambulanten Fällen verzerrt das Bild.

Zudem sei das Follow-up mit nur sechs Monaten relativ kurz. Alle Daten beziehen sich auf eine Zeit, in der die Ursprungsvariante von SARS-CoV-2 (Wuhan) vorherrschend war, die ein viel aggressiverer Virusstamm war als heute zirkulierende Stämme.

Darüber hinaus muss erwähnt werden, dass es sich in dieser Kohorte um ungeimpfte Personen handelt, die wir in dieser Form aktuell nicht mehr finden. Die beiden letzten Punkte werden in einem Satz in der Diskussion erwähnt, seien jedoch meiner Meinung ganz zentral in der Wertung der Ergebnisse.

Nichtsdestotrotz sei Post Covid ein relevantes postvirales Syndrom mit nachgewiesenen Pathologien und betroffenen Patient:innen.“„Die neue Studie aus Dresden zu Long/Post Covid basiert auf Versicherungsdaten von über 150.000 Menschen, die in verschiedenen gesetzlichen Krankenversicherungen in Deutschland versichert sind. In der Studie werden sorgfältig aufbereitete Daten aus dem Versorgungsalltag dargestellt.

Die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin begrüßt diese erste große deutsche Studie zu den Long- und Post-Covid-Auswirkungen bei Kindern und Jugendlichen.“„Unserer Einschätzung nach können die Studienergebnisse in der hausärztlichen Praxis dabei helfen, Beschwerden und Erkrankungshäufigkeiten in der aktuellen Situation einzuordnen, da sich die Auswirkungen der Pandemie sowohl infektiologisch als auch psychosozial nicht immer leicht differenzieren lassen. Bei dieser Einordnung sei die Erkrankungswahrscheinlichkeit ein wichtiger Ausgangswert, zu dem die Studie nun ebenfalls neue Erkenntnisse ermöglicht.“„Die Studie zeigt, dass Long/Post Covid auch bei Kindern und Jugendlichen auftritt.

Die Symptome unterscheiden sich aber von denen von Erwachsenen deutlich und seien insgesamt auch seltener. Allerdings gibt es aufgrund des Studiendesigns auch Einschränkungen bei der Aussagekraft der erhobenen Daten: Die Studie sei eine retrospektive Matched-Control-Studie, die auf Routine-Daten und insbesondere Diagnosecodierungen basiert, sodass es hier erhebliche Unschärfen gibt.

Damit werde es schwer, sicher zwischen Ursache und Wirkung zu unterscheiden.“„Außerdem sei bekannt, dass die Kodierqualität für Erkrankungen und Symptome nicht unbedingt immer der realen Krankheitsschwere entspricht. Dazu kommt, dass die Daten im ersten Halbjahr 2020 erhoben wurden, zu einem Zeitpunkt, wo ausschließlich der Wildtyp von SARS-CoV-2 vorherrschend war und die Bevölkerung noch keinerlei Schutz durch vorherige Infektionen und Impfungen hatte.

Es wäre deshalb problematisch, die Aussagen auf aktuelle Wellen zu übertragen.“„Last but not least weisen die Studien-Autor:innen selbst darauf hin, dass die Ergebnisse teils im Widerspruch zu anderen (europäischen) Studien stehen, in denen sich weniger starke Auswirkungen bei Kindern und Jugendlichen zeigten. Wir hoffen, dass es in Zukunft noch weitere (auch deutsche) Studien geben wird, die uns Hausärztinnen und Hausärzten bei Prävention, Diagnostik und Therapie von Long-/Post-Covid Patient:innen helfen können.“Roessler M et al.

(2022): Post-COVID-19-associated morbidity in children, adolescents, and adults: A matched cohort study including more than 157,000 individuals with COVID-19 in Germany. Plos Medicine.

DOI: 10.1371/journal.pmed.1004122.[1] Hanson SW et al. (2022): Estimated Global Proportions of Individuals With Persistent Fatigue, Cognitive, and Respiratory Symptom Clusters Following Symptomatic COVID-19 in 2020 and 2021. Jama.

DOI: 10.1001/jama.2022.18931.[2] Xu E et al. (2022): Long-term neurologic outcomes of COVID-19. Nature Medicine.

DOI: 10.1038/s41591-022-02001-z.[3] Cho SM et al. (2022): Neurological manifestations of COVID-19 in adults and children.

Brain. DOI: 10.1093/brain/awac332.[4] Nersesjan V et al.

(2022): Neuropsychiatric and Cognitive Outcomes in Patients 6 Months After COVID-19 Requiring Hospitalization Compared With Matched Control Patients Hospitalized for Non-COVID-19 Illness. Jama Psychiatry.

DOI: 10.1001/jamapsychiatry.2022.0284.[I] Chevinsky JR et al. (2020): Late Conditions Diagnosed 1–4 Months Following an Initial Coronavirus Disease 2019 (COVID-19) Encounter: A Matched-Cohort Study Using Inpatient and Outpatient Administrative Data—United States, 1 March–30 June 2020. Clinical Infectious Diseases.

DOI: 10.1093/cid/ciab338 PMID: 33909072.[II] Molteni E et al. (2021): Illness duration and symptom profile in symptomatic UK school-aged children tested for SARS-CoV-2. The Lancet Child & Adolescent Health.

DOI: 10.1016/S2352-4642(21)00198-X.[III] Miller F et al. (2021): Prevalence of persistent symptoms in children during the COVID-19 pandemic: evidence from a household cohort study in England and Wales.

MedRxiv. DOI: 10.1101/2021.05.28.21257602.[IV] Blankenburg J et al.

(2022): Comparison of mental health outcomes in seropositive and seronegative adolescents during the COVID19 pandemic. Scientific Reports.

DOI: 10.1038/s41598-022-06166-y.[V] Radtke T et al. (2021): Long-term Symptoms After SARS-CoV-2 Infection in Children and Adolescents.

Jama. DOI: 10.1001/jama.2021.11880.Das SMC werde die hier bereitgestellten Informationen ausschließlich in Übereinstimmung mit den Datenschutzhinweisen verwenden.

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