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Wissenschaft

Ist die Corona-Isolationspflicht noch angemessen?

2022-07-29 14:25:09
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Quelle: Science Media Center Deutschland

Deutschland diskutiert einmal mehr über die Isolationspflicht von Corona-Infizierten, wie das Science Media Center Deutschland berichtet.

Andreas Gassen, Vorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, dringt darauf, die Pflicht, sich nach einer bestätigten Infektion fünf Tage lang daheim isolieren zu müssen, abzuschaffen – in erster Linie, um damit die Personalnot an den Kliniken zu lindern. Dort gab es auch zuletzt wieder aufgrund zahlreicher Corona-Infektionen und durch Streiks vermehrt Ausfälle.

Für einen Wegfall der Isolationspflicht setzen sich auch mehrere FDP-Politiker in der Koalition ein. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach stellte zwar gestern eine baldige Verständigung in der Koalition auf ein Konzept zu Corona-Schutzregelungen für den Herbst in Aussicht, erteilte einem möglichen Ende der Isolationspflicht aber erneut eine Absage: Es gebe derzeit „keinerlei Anlass, die Isolationsregeln zu verändern“.Das sieht man in anderen Staaten offenbar anders: Dänemark habe die Isolation verkürzt, Schweden, Großbritannien und die Schweiz haben sie bereits abgeschafft.

Österreich geht diesen Schritt ab dem 1. August. In der Alpenrepublik dürfen sich Infizierte dann weitgehend frei bewegen, müssen allerdings FFP2-Maske tragen.

Ein Betretungsverbot gilt für sie nur für Krankenhäuser und für Pflege-, Behinderten- sowie Kureinrichtungen. „Wir machen jetzt Verkehrsbeschränkungen statt verpflichtender Quarantäne“, sagte Gesundheitsminister Johannes Rauch.

Die Entscheidung sei gerade auch mit Blick auf die psychischen und sozialen Folgen der Coronakrise gefallen. „Wir können die Pandemie nicht wegtesten, nicht wegimpfen und nicht wegabsondern.“Ziel einer Isolation sei es, den Kontakt von Infizierten zu Nichtinfizierten und vor allem vulnerablen Gruppen einzuschränken, um dadurch etwaige Infektionsketten zu verhindern.

Hierzulande wurde die Dauer der Isolationspflicht immer wieder angepasst. Aus einst zehn verpflichtenden Isolationstagen seien mittlerweile fünf geworden.

Aktuelle Studien zeigen, dass bei einer Omikron-Infektion bis neun Tage nach Symptombeginn vermehrungsfähiges Virus ausgeschieden werden kann, beziehungsweise bis elf Tage nach dem ersten positiven PCR-Test [I] [II]. Die Viruslast gegenüber der Delta-Variante scheint leicht verringert [III].

Wie viel Virusmaterial aber letzten Endes eine Infektion auslöst, sei pauschal nicht zu sagen. Die aktuell dominierende Omikron-Variante verbreitet sich im Vergleich zu älteren Varianten zwar schneller, führt aber zu weniger schweren Krankheitsverläufen – auch weil ein Großteil der Menschen durch Impfung und/oder Infektion bereits einen breiten Immunschutz aufgebaut hat.„Die Rechtsgrundlage für eine Isolationspflicht sei im Kern noch vorhanden, allerdings muss man doch deutliche Zweifel an der Verhältnismäßigkeit der Isolationspflicht äußern.

Bei symptomlosen Infizierten sei eine Isolationspflicht eigentlich nicht haltbar. Gesundheitsminister Lauterbach nimmt ja die Haltung ein: Solange das Virus da ist, muss man umfassende Maßnahmen treffen.

Das sei aber nicht immer verhältnismäßig, vor allem derzeit nicht. Insbesondere Symptomlose müssen anders behandelt werden.

Selbst das Infektionsschutzgesetz unterscheidet ja zwischen Kranken und Infizierten.“„Ein Risiko im Gesundheitssystem sei die Rückkehr von infizierten Mitarbeitenden in die Klinik. Das stellt natürlich ein Problem für die gefährdeten Patientinnen und Patienten dar, die wir hier vor allem auf der Intensivstation, aber auch in der Onkologie versorgen.

Für diese Menschen sei Omikron schon ein Problem, auch wenn es in der Regel eine weniger schwere Erkrankung auslöst als Delta. Aber es sei immer eine Frage der Risikoabwägung: Wer außerhalb des Gesundheitssystems beispielsweise im Freien arbeitet und kaum engen Kontakt zu anderen Menschen hat, der könnte theoretisch auch mit einem positiven Test arbeiten, wenn er sich gut fühlt.

Das Infektionsrisiko gegenüber anderen wäre hier sehr gering. Das gilt aber natürlich nicht für den Pflegenden in der Onkologie oder die Ärztin in der Geriatrie.

Auch außerhalb der Klinik wäre es in manchen Bereichen problematisch, etwa für jene, die im Großraumbüro arbeiten und enge Kontakte haben. Das Risiko für die Mitarbeitenden differiert ja erheblich bei den Berufsgruppen.

Es wäre also eine Überlegung, die Isolationspflicht berufsspezifisch anzupassen.“„Derzeit haben wir allerdings noch sehr hohe Infektionszahlen. Wären die Zahlen niedriger, könnte man ein Ende der Isolationspflicht eher diskutieren.

Für die Kliniken sei die Diskussion im Moment wieder besonders schwer, weil sie einerseits Infektionen verhindern wollen, aber anderseits auch sehr unter den Personalausfällen leiden. Operationen werden immer noch vielerorts verschoben.

Wenn wir jetzt sagen, dass jeder wiederkommen kann, wenn er sich gut fühlt, werden wir auch mehr Infektionen bei Patienten oder Mitarbeitenden in den Kliniken sehen. Womöglich könnte man dadurch zwar wieder einige geplante Operationen mehr durchführen und dadurch den ,normalen‘ Patienten wieder besser helfen, aber ob man die Infektionen letztlich in Kauf nehmen will, sei sehr schwer abzuwägen.

Und: Im Herbst und Winter werde es sicher nicht besser.“„Grundsätzlich sei es ja schon so, dass die Fallsterblichkeit bei COVID-19 deutlich gesunken ist. Daher sei es auch nur legitim, dass sich der Umgang mit dem Virus ändert.

In vielen Kliniken werde momentan der PCR-Test durch einen Antigentest ersetzt. Dann können die Mitarbeitenden, wenn sie im Antigentest negativ getestet wurden, wieder an den Arbeitsplatz zurückkehren.

Der PCR-Test weist oft länger Virusspuren nach. Bei einem negativen Antigentest können die Mitarbeiter also vielleicht etwas früher wiederkommen.

Wenn der Antigentest negativ ist, könne man im Regelfall davon ausgehen, dass man keine relevanten Mengen an Virusmaterial mehr ausatmet, auch wenn ein PCR-Test womöglich noch anschlagen würde. Der Antigentest wäre hier ein Kompromiss.“[I] Takahashi K et al.

(2022): Duration of Infectious Virus Shedding by SARS-CoV-2 Omicron Variant-Infected Vaccinees. Emerging Infectious Diseases.

DOI: 10.3201/eid2805.220197.[II] Boucau J et al. (2022): Duration of Shedding of Culturable Virus in SARS-CoV-2 Omicron (BA.1) Infection.

New England Journal of Medicine. DOI: 10.1056/NEJMc2202092.[III] Hay JA et al.

(2022): The impact of immune history and variant on SARS-CoV-2 viral kinetics and infection rebound. MedRxiv.

DOI: 10.1101/2022.01.13.22269257..

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